CRESCENDO-Nothilfe überweist heute 20.000 Euro

von Winfried Hanuschik

16. März 2020

CRESCENDO will freischaffenden Musikerinnen und Musikern, die sich vor einer existenziellen Notlage befinden, spontan und kurzfristig helfen.

Update vom 2. April:

Gerade hat das Land einen neuen För­der­topf für Künstler auf­ge­macht. Wei­tere Infos finden Sie hier.

Update vom 30. März:

Wäh­rend Sie diese Zeilen lesen, werden die Gelder der CRE­SCENDO-Not­hilfe für Musi­ke­rInnen in Not bereits aus­ge­zahlt. Dank Ihnen allen für Ihr Ver­trauen, für Ihre Spenden, aber auch für Ihren Mut, sich bei uns zu melden! Wir haben 690 Anträge erhalten und Spen­den­gelder in Höhe von 20.000 Euro, unter anderem in groß­zü­gigen Ein­zel­spenden wie von der Sopra­nistin , aber auch Klein­spenden und 55-Euro-Not­hilfe-Abos. Wir danken allen Spen­dern ganz herzlich.

Das Kura­to­rium aus CRE­SCENDO, art but fair e.V. (Johannes Maria Schatz/ Vor­sit­zender ), Deut­schem Musikrat (Stefan Piendl/ Geschäfts­führer), der GEMA (Johannes Ever­ding/ Direk­tion) und Mün­chener Kon­zert­verein e.V. (Helmut Pauli/​stellv. Vor­sit­zender) hat ges­tern die Ver­teil­kri­te­rien beschlossen: Wir haben uns auf eine Sor­tie­rung nach Fami­li­en­si­tua­tion und Ein­kommen geei­nigt. Somit können wir 40 Musi­ke­rInnen mit ein­malig 500 Euro pünkt­lich zum Monats­wechsel unter die Arme greifen.

Als wir die CRE­SCENDO Not­hilfe vor zwei Wochen gegründet haben, waren wir noch allein und haben auch bewusst nur die Zeit über­brü­cken wollen, welche die Politik braucht, um eigene Not­hil­fe­sys­teme zu ent­wi­ckeln. Heute beob­achten wir, dass die Not offenbar größer ist, als die Mög­lich­keiten der schnellen Hilfe. Des­halb bitten wir Sie, weiter zu spenden. Da wir in den letzten Wochen eng mit dem Verein art but fair zusam­men­ge­ar­beitet haben, emp­fehlen wir Ihnen, das Akti­ons­bündnis dar­stel­lende Kunst zu för­dern, das eben­falls von art but fair unter­stützt wird. Dieses Pro­gramm läuft noch eine wei­tere Woche. Bitte helfen Sie auch in der nächsten Zeit den Künst­lern, die auf Ihre Hilfe ange­wiesen sind. Für Künst­le­rInnen in Not unter­hält der Deut­sche Büh­nen­verein eine regel­mäßig aktua­li­sierte Liste mit Fördereinrichtungen. 

Wir lassen uns nicht unterkriegen – gerade in schweren Zeiten ist Mensch-Bleiben besonders wichtig. Machen Sie mit bei unserer Nothilfe für Musiker:

CRE­SCENDO will frei­schaf­fenden Musi­ke­rinnen und Musi­kern, die sich durch „Corona-Aus­fälle“ vor einer exis­ten­zi­ellen Not­lage befinden, spontan und kurz­fristig helfen. Ab sofort eröffnen wir bis zum 28. März dafür ein Hilfs-Konto. So wollen wir Musi­ke­rinnen und Musi­kern mit einer maxi­malen Unter­stüt­zung von 500 Euro unter die Arme greifen, damit wenigs­tens die April-Miete gezahlt werden kann.

CRE­SCENDO füllt das Konto mit 2.000 Euro, der Musik­jour­na­list mit wei­teren 1.000 Euro. 

Und Sie können auch mit­ma­chen: Betei­ligen Sie sich zum Bei­spiel mit dem Betrag, den Ihnen ein Kon­zert­haus oder ein Theater gerade für eine aus­ge­fal­lene Vor­stel­lung erstattet hat.

Oder schließen Sie bis zum 28. März ein CRE­SCENDO-Not­hilfe-für-Künstler-Abo ab: Die Ein­nahmen werden eben­falls in voller Höhe gespendet. 

Kunst und Kultur sind Formen der Mit­mensch­lich­keit – jetzt, da unsere Künstler vor dem Nichts stehen, können wir ihnen etwas zurückgeben!

Wir lassen uns nicht unter­kriegen – gerade in schweren Zeiten ist Mensch-Bleiben beson­ders wichtig. Machen Sie mit bei unserer Not­hilfe für Musiker:

Betrof­fene Künst­le­rinnen und Künstler können sich bis zum 28. März per Mail an uns wenden und ihre Situa­tion formlos, aber ehr­lich beschreiben. Ein Kura­to­rium aus Ver­tre­tern von CRE­SCENDO (Win­fried Hanuschik/​Her­aus­geber, Petra Lettenmeier/​Ver­lags­lei­terin, Axel Brüggemann/​Kolum­nist), Art But Fair e.V. (Johannes Maria Schatz/​Vor­sit­zender Deutsch­land), dem Deut­schen Musikrat (Stefan Piendl/​Geschäfts­führer) und der GEMA (Johannes Everding/​Direk­tion) werden bis zur Aus­schüt­tung am 29. März über die Ver­gabe ent­scheiden. Die Über­prü­fung der Ein­nahmen und deren voll­stän­dige Aus­schüt­tung bis zum 3. April 2020 wird durch die Wirt­schafts­prü­fungs­kanzlei Enke/​Feil garan­tiert, der wir unsere Konten offen­legen. Alle Betei­ligten erhalten keine Ver­gü­tung. Die Spenden werden zu 100% an die aus­ge­wählten Ein­rei­chungen ausgeschüttet.

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Wir sind bewegt, gerührt und aufgerüttelt durch die unzähligen Zuschriften, die uns bereits erreicht haben. Wir setzen alles daran, so viele Künstler wie möglich unterstützen zu können. 

Mit freund­li­cher Geneh­mi­gung der Betrof­fenen hier ein paar Aus­züge aus den Zuschriften. Die Namen wurden auf Wunsch der Antrag­steller geändert:

  • „Ich arbeite als frei­schaf­fende Regie-Assis­tentin im Bereich Musik­theater […]. Meine nächsten beiden Pro­duk­tionen wurden ersatzlos gestri­chen. Ich habe bis auf wei­teres kein Ein­kommen mehr!“ Lie­se­lotte W.

»Ich habe bis auf weiteres kein Einkommen mehr!«

  • „Ich bin frei­schaf­fender Barock­mu­siker und lebe seit einigen Jahren aus­schließ­lich von meinen musi­ka­li­schen Enga­ge­ments. Mit einem Netto-Jah­res­ein­kommen von durch­schnitt­lich etwa 10.000 Euro kam ich bis­lang nor­ma­ler­weise gerade so über die Runden. Auf­grund meiner Spe­zia­li­sie­rung auf Barock­musik im Bereich der his­to­ri­schen Auf­füh­rungs­praxis ist eine meiner Haupt­ver­dienst­zeiten die Pas­si­ons­zeit, in der ich mit Pas­sions- und Oster­kon­zerten nor­ma­ler­weise etwa 30% meines Jah­res­ein­kom­mens gene­riere.
    Auf­grund der dras­ti­schen Maß­nahmen zur Ein­däm­mung der Ver­brei­tung des Corona-Virus’ wurden mir nun kurz­fristig leider sämt­liche Enga­ge­ments vom 17.03. bis der­zeit 30.06. abge­sagt, sodass ich in den kom­menden Wochen und Monaten ohne jeg­li­ches Ein­kommen dastehe.“ Peter M.

»Ich kann meine Aprilmiete aktuell nicht bezahlen.«

  • „Ich bin seit 1989 frei­be­ruf­lich tätiger Musiker und spiele Blues & Boogie Woogie Piano. Im Jahr habe ich etwa 35 bis 45 Kon­zerte, was gerade so aus­reicht… Meine Frau ist ebenso frei­be­ruf­lich tätig und macht viele Pro­jekte mit Kin­dern in Schulen Kitas. Da ist der­zeit ebenso Kom­plett­aus­fall. […] Der­zeit sind Aus­fälle in Höhe von € 3500,- sicher. Das beziegt sich aber nur auf März / April. Sollte der Mai dazu­kommen, würde der Betrag höher.“ Malte P.
  • „Ich bin haupt­be­ruf­lich Künst­lerin und kann durch die abge­sagten Ver­an­stal­tungen meine April­miete aktuell nicht bezahlen, weil durch einen schwie­rigen sai­so­nalen Start mit grö­ßeren musi­ka­li­schen Inves­ti­tionen keine wei­teren Rück­lagen mehr da sind.“ Heike K.

»Wir haben zwei Kinder, sechs und neun. Wenn es ungünstig läuft, wird sich mein Verdienst dieses Jahr halbieren.«

  • „Ich bin Kon­tra­bas­sist, spe­zia­li­siert auf his­to­ri­sche Bassin­stru­mente und lebe als frei­schaf­fender Musiker in . Meine Frau ist eben­falls frei­schaf­fende Musi­kerin, wir haben zwei Kinder, sechs und neun Jahre alt. Durch den Weg­fall aller meiner Kon­zerte bis min­des­tens Ende April, ver­mut­lich bis Anfang Juni und der der dar­auf­fol­genden Feri­en­zeit werde ich even­tuell vier bis fünf Monate lang nichts ver­dienen. Wenn es ganz ungünstig läuft, wird sich mein Ver­dienst dieses Jahr hal­bieren.“ Joa­chim S.
  • „Ich bin allein­er­zie­hende Mama […] und habe gerade eine neue CD ein­ge­spielt. Gerade im Früh­jahr sind meine best­be­zahl­testen Gigs und Work­shops.“ Meike K.

»Wir stehen buchstäblich vor dem Nichts.«

  • „Mich trifft die Absa­ge­welle am Beginn der wirt­schaft­lich enorm wich­tigen Pas­si­ons­zeit, und mir wurden bis Ende April sämt­liche Kon­zerte abge­sagt. Nach heu­tigem Stand betrifft das min­des­tens 11 Kon­zert­ter­mine. […] Dass die Ein­nahmen auf einen Schlag auf 0 fallen, trifft uns extrem hart – wir stehen momentan buch­stäb­lich vor dem Nichts. Ich weiß der­zeit nicht, ob ich meinen Beruf, den ich wirk­lich liebe und mit Herz­blut betreibe, über­haupt noch weiter aus­üben kann, oder ob ich mich um des bloßen wirt­schaft­li­chen Über­le­bens willen nicht doch recht bald um eine andere Beschäf­ti­gung bemühen muss.“ Robert E.
  • Inner­halb von zwei Tagen hat sich meine Auf­trags­lage für die nächsten zwei Monate einer Null genä­hert. Ich bin frei­schaf­fender Musiker und Musik­lehrer. Nor­ma­ler­weise bleiben mir ca. 1200 EUR zum Leben. Meine Tätig­keiten sind in Kitas und Kir­chen­ge­meinden. Musik mit Kin­dern, Musik zum Got­tes­dienst und Auf­träge als Per­cus­sio­nist.“ Mario M.

»Innerhalb von zwei Tagen hat sich meine Auftragslage für die nächsten zwei Monate einer Null genähert.«

  • „Ich bin Fami­li­en­vater und meine Frau und meine zwei Kinder ( 7 & 16 Jahre ) bekommen langsam Angst, und wir fragen uns, wie wir ohne die geplanten Ein­künfte / Hono­rare über die nächste Zeit kommen sollen.“ Jon D.
  • „Ich bin frei­schaf­fende Opern-und Kon­zert­sän­gerin sowie freie Gesangs­päd­agogin. Mein gesamtes Ein­kommen ist von jetzt auf gleich auf unbe­stimmte Zeit auf Null gesunken. Sämt­liche Kon­zerte mit meiner Mit­wir­kung sind bis Ende Mai abge­sagt, Aus­fall­ho­no­rare wurden nicht ver­ein­bart. Seit ges­tern ist der Erlass des Minis­te­riums NRW raus, dass auch Pri­vat­un­ter­richt nicht gestattet sei. Meine heu­tige Nach­frage beim Gesund­heitsamt der Stadt bestä­tigte dies. Die rück­la­gen­bil­denden Kon­zerte der Pas­si­ons­zeit, die uns jedes Jahr bis in den Herbst hinein finan­zieren, finden alle­samt nicht statt. […] Mein Mann ist als Trom­peter eben­falls frei­schaf­fend, uns trifft es also dop­pelt. Zwei Kinder, Miete, lau­fende Kosten, null Ein­nahmen im lau­fenden und den beiden kom­menden Monaten, keinen finan­zi­ellen Back­ground in den Fami­lien, der uns Über­brü­ckungs­hilfe leisten kann. Wir sind sehr ver­zwei­felt und wissen nicht weiter.“ Heike H.

»Wir sind sehr verzweifelt und wissen nicht weiter.«

  • „Mir sind gerade sämt­liche Ein­nahmen weg­ge­bro­chen. Hinzu kommt, dass ich gerade meine CD her­aus­bringen wollte, die mit 11.000€ ohne fremde Hilfe meine sämt­li­chen Erspar­nisse auf­ge­braucht hat. Das Release-Kon­zert wäre am 20. März gewesen. […] Ich habe aktuell noch 260 € auf dem Konto und nur noch ein paar wenige Ein­nahmen durch Schüler. Ande­rer­seits möchte ich nicht klagen. Ich habe ein paar Freunde, die mir Geld leihen würden, und mein Antrag für ALG 2 wurde heute zumin­dest im Job­center noch ange­nommen. Des­wegen möchte ich erstmal keine Not­hilfe bean­tragen, son­dern Men­schen den Vor­tritt lassen, die viel­leicht nicht so ein soziales Netz haben.“ Mara M.