Simone Dinnerstein hat in der Zeit des Lockdowns in ihrem heimischen Studio meditative Klavierkompositionen von Franz Schubert und Philip Glass aufgenommen. 

Homerecording im Homeoffice: die Pianistin Simone Dinnerstein hat aus der Not eine Tugend gemacht und im heimischen Studio in Brooklyn nicht nur geübt, sondern auch aufgenommen, eine Aufnahme al fresco gewissermaßen: frisch aus der Situation heraus entstanden und konserviert für die Ewigkeit. Passend zur Stimmung in der Krise ist die CD „A Character of Quiet“ betitelt. Und ruhig, um nicht zu sagen surreal war es in der Zeit des Lockdowns ja durchaus. 

Die Pianistin Simone Dinnerstein
Soundtrack der Stille: die Pianistin Simone Dinnesrtein im Lockdwon
(Foto: © Lisa Marie Mazzucco)

Drei Etuden von Philip Glass und Franz Schuberts B‑Dur-Sonate (D 960) sind Dinnersteins Soundtrack der Stille. Im Falle von Glass’ ebenso meditativer wie dramatischer Musik ist das durchaus sinnig, im Hinblick auf Schuberts visionäre Musik nicht weniger stimmig. Das ist auch Dinnersteins Deutung. Die musikalische Tiefe hat in der Krise jedenfalls nicht gelitten, im Gegenteil. Glass fasziniert mit fesselnder Gleichförmigkeit, Schubert mit expressivem Gestus.

„A Character of Quiet“, Simone Dinnerstein (Orange Mountain Music)

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Guido Krawinkel schreibt über alles, was mit Musik zu tun hat. Dem Studium der Musikwissenschaften in Bonn folgten Tätigkeiten in der Tonträgerbranche, beim Radio und im Verlagswesen sowie eine Ausbildung zum nebenberuflichen Kirchenmusiker. Als freier Journalist arbeitet Guido Krawinkel für Zeitungen, Zeitschriften und Konzerthäuser, schreibt Rezensionen, CD-Booklets und Programmeinführungen und ist Mitglied in der Jury des Preises der Deutschen Schallplattenkritik. Der begeisterte Chorsänger hält es mit Loriot: Ein Leben ohne Chor ist möglich, aber sinnlos.