Von Axel Brüg­ge­mann

Ist das Büh­nen­bild zur Chris­toph Waltz „Fidelo“-Inszenierung am Thea­ter an der Wien ein Pla­gi­at? Die Sze­ne von Büh­nen­bild­ner und Archi­tekt Frank Bar­kow (eine opu­len­te Dop­pel-Helix-Trep­pe) exis­tier­te bis ins Detail genau schon 2013 als Ent­wurf des in Los Ange­les ansäs­si­gen Archi­tek­ten Khoa Vu. Kul­tur­jour­na­list Axel Brüg­ge­mann, der die Ähn­lich­keit in sei­nem News­let­ter bei der Klas­sik-Zeit­schrift Cre­scen­do the­ma­ti­sier­te, zitiert Vu mit den Wor­ten: „Ich war scho­ckiert, als ich die Bil­der gese­hen habe. Man muss ernst­haft davon aus­ge­hen, dass Bar­kow mei­ne Idee kopiert hat. Das Team Barkow/Leibinger hat mich dafür nicht kon­tak­tiert, geschwei­ge denn eine Zusam­men­ar­beit ange­bo­ten.“ Tat­säch­lich kann auch der Büh­nen­bild­ner sel­ber nicht aus­schlie­ßen, Vus Ent­wurf bei den Vor­be­rei­tun­gen gese­hen zu haben. Er ver­weist gegen­über „Brüg­ge­manns Klas­sik-Woche“ aller­dings dar­auf, dass es sich bei sei­nem Büh­nen­bild um ein eigen­stän­di­ges Kunst­werk han­delt: „Das nun zum Ver­gleich her­an­ge­zo­ge­ne Bild ist eine Moment­auf­nah­me, die zuge­ge­be­ner­ma­ßen dem Foto des ‚Fide­lio‘ Sets sehr ähnelt. Unser Büh­nen­bild ist aber nicht als Ein­zel­auf­nah­me, son­dern als Sequenz gedacht. Es wur­de in engem Aus­tausch mit dem Regis­seur kon­zi­piert und dient der gesam­ten Insze­nie­rung mit ihren unter­schied­lichs­ten Sze­nen.“ Das Thea­ter an der Wien ver­weist auf Bar­kows Ant­wort und ver­zich­tet zunächst auf eine eige­ne Stel­lung­nah­me. Eine der­ar­ti­ger Fall sei am Haus bis­her aller­dings noch nie auf­ge­taucht, heißt es.

Erklä­rung von Khoa Vu:

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Dear Axel, 

Thank you for your email. This is Khoa, a desi­gner of the Dou­ble Nega­ti­ve pro­ject that you men­tio­ned which was done seven years ago in 2013. I recent­ly was awa­re of this as a few of my col­leagues brought up to me. I was sho­cked when saw this. This is serious­ly con­si­de­red as a copied idea from Bar­kow Leib­in­ger.

Best,

Khoa 

Erklä­rung von Frank Bar­kow:

Wir wol­len nicht aus­schlie­ßen, dass das Bild im Zuge unse­rer Recher­che, auch zu ande­ren Pro­jek­ten, gese­hen wur­de und daher bekannt war. Es ist Teil unse­rer Arbeit zu Beginn jedes Pro­jek­tes Bil­der und Refe­ren­zen zu recher­chie­ren, die für uns inter­es­sant sind. Aller­dings kön­nen wir auch sagen, dass das Bild im Ent­ste­hungs­pro­zess des Büh­nen­bild­ent­wurfs kei­ne wei­te­re Rol­le gespielt hat. Die Inspi­ra­ti­on für das Set lag viel­mehr im Werk des Büh­nen­bild­ners Josef Svo­bo­da, des­sen Arbei­ten uns Chris­toph Waltz am Anfang der gemein­sa­men Über­le­gun­gen vor­stell­te. Svo­bo­das Büh­nen­bil­der der 60er Jah­re, ins­be­son­de­re die Rol­le von Trep­pen in sei­nen künst­le­ri­schen Arbei­ten, bil­de­ten den Aus­gangs­punkt des Ent­wurfs­pro­zes­ses. Die Büh­ne soll­te nicht nur hori­zon­tal, son­dern auch ver­ti­kal genutzt wer­den. So ent­stand die Idee einer topo­gra­fi­schen Trep­pe.

Dar­auf auf­bau­end for­mu­lier­ten wir das Ziel, die­sen vor­ge­fun­de­nen, sta­tisch und monu­men­tal wir­ken­den Topo­gra­phien Aktua­li­tät und Bewe­gung zu ver­lei­hen. Zu die­sem Zweck haben wir mit meh­re­ren geo­me­tri­schen Aus­gangs­for­men expe­ri­men­tiert und die­se durch mathe­ma­ti­sche Wie­der­ho­lungs­mus­ter in Bewe­gung ver­setzt. Das Her­an­zie­hen einer mathe­ma­ti­schen Matrix bil­det übri­gens oft die Grund­la­ge unse­rer Archi­tek­tu­ren und Raum­in­stal­la­tio­nen. Ein Blick auf unse­re Arbei­ten Loom-Hyper­bo­lic für die Mar­ra­k­ech Bien­na­le, den Fel­lows Pavil­lon (Ber­lin), den Pavil­lon Bel­ve­de­re (Fell­bach), den Pavil­lon Thi­c­ket (Ber­lin, Prince­ton), aber auch z.B. die Fas­sa­de des Tour Total (Ber­lin), dürf­te das deut­lich machen. Zum The­ma der mathe­ma­ti­schen Matrix haben wir auch eine Zuschrift des Wie­ner Mathe­ma­ti­kers Hau­ser erhal­ten, die wir zu Dei­ner Infor­ma­ti­on bei­fü­gen.

Im Fall des Fide­lio-Büh­nen­bil­des erschien uns, nach eini­gen Ver­su­chen, die Helix am geeig­nets­ten, um durch Schrau­ben, Ver­schnei­dun­gen und Kopien einen tie­fen, gestuf­ten Raum zu erhal­ten und einen Effekt von Unend­lich­keit zu erzeu­gen. Die­se so geo­me­trisch abge­wan­del­te Helix hat den Vor­teil, dass aus ver­schie­de­nen Blick­rich­tun­gen völ­lig neue Räu­me ent­ste­hen. Zunächst war es sogar geplant eine Dreh­büh­ne zu ver­wen­den. Da dies tech­nisch schwie­rig umzu­set­zen und daher finan­zi­ell extrem auf­wän­dig gewe­sen wäre, haben wir, um mit dem ste­hen­den Bild den­noch den Ein­druck von Dyna­mik zu erzie­len, im Lau­fe des Ent­wurfs­pro­zes­ses die Grund­form mul­ti­pli­ziert und mit der Beleuch­tung die unter­schied­li­chen Räu­me ent­ste­hen las­sen.

Das nun zum Ver­gleich her­an­ge­zo­ge­ne Bild ist eine Moment­auf­nah­me, die zuge­ge­be­ner­ma­ßen dem Foto des Fide­lio Sets sehr ähnelt. Unser Büh­nen­bild ist aber nicht als Ein­zel­auf­nah­me, son­dern als Sequenz gedacht. Es wur­de in engem Aus­tausch mit dem Regis­seur kon­zi­piert und dient der gesam­ten Insze­nie­rung mit ihren unter­schied­lichs­ten Sze­nen. Für die Wahl des Win­kels der Helix und die Auf­stel­lung des Raum­kör­pers auf der Büh­ne war maß­geb­lich, dass das Büh­nen­bild von den ver­schie­de­nen Plät­zen im Zuschau­er­raum aus mög­lichst ähn­lich aus­se­hen soll. Wäre es zu dem Ein­satz einer Dreh­büh­ne gekom­men, wäre die Unter­schied­lich­keit der bei­den Archi­tek­tu­ren sicher­lich deut­lich ables­bar. 

Um also auf die zwei­te Fra­ge des Jour­na­lis­ten zu ant­wor­ten: Unse­rer Auf­fas­sung nach sind bei­de Archi­tek­tu­ren Ori­gi­na­le. Wie man in dem Port­fo­lio von Khoa Vu sieht, hat er sei­ne Stu­die in ein Biblio­theks­ge­bäu­de (http://www.khoavu.com/projects#/library/) wei­ter­ent­wi­ckelt, die mit unse­rem Büh­nen­bild nun wirk­lich nicht mehr viel zu tun hat.

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