Das Stefan Zweig Trio ist nicht das erste Ensemble, das Alexander Zemlinskys für einen Wettbewerb mit Johannes Brahms als Jury-Mitglied entstandenes Klaviertrio mit Violine anstelle der original vorgesehenen Klarinette aufführt. Diese Kombination des Opus Zemlinskys mit dem Debütwerk seines prominenten Schülers Erich Wolfgang Korngold hat es in sich. Vollendung und Aufbruch sind Kategorien, die beide Schwellenwerke nur in Teilaspekten definieren, zumal das Stefan Zweig Trio sie mit einer immensen Lust an der Vielfalt aller nur denkbaren Legato-Kulturen zelebriert. Hier deutet nichts darauf hin, dass Arnold Schönberg alsbald die bis dahin gültigen Tonsysteme in Frage stellen wird. In Gegenteil: Das Stefan Zweig Trio riskiert fast süffige Eleganz und unverschämte Rundungen mit reifem bis überreifem Klang. Diese luxurierende Morbidezza ist gerade für das Trio des zu seiner Entstehung 13-jährigen Korngold ideal. 

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Roland H. Dippel brennt für Kontraste im groß(artig)en wie im klein(formatig)en Musik-, Tanz- und Konzert-Theater. Auf Entdeckungsreisen zu idyllischen Nischen und verwegenen Momenten folgt er freudig apollinischen Verheißungen und dionysischen Lockrufen. Boulevard, Belcanto, Brauchtum, ästhetische Exzesse in Literatur und Kunst sind Ziele seiner realen und fiktiven Abenteuer-Streifzüge. Er schätzt greifbare Bücher mehr als E-Books.