Gezeichnete Sinfonie

Nicolas Mahler

Nicolas Mahler versetzt James Joyce’ „Ulysses“ nach Wien und verwandelt ihn als Meister in der Kunst der Zuspitzung in ein Comic. 

Nicolas Mahler ist ein Meister in der Kunst des Weglassens, Zuspitzens; phänomenal sein Gespür für das eine, Bände sprechende Detail. Sieben Jahre nach Musils Mann ohne Eigenschaften hat der Wiener Künstler sich einen weiteren dickleibigen Klassiker aus der „Bibliothek der ungelesenen Bücher“ vorgenommen und in einen Comic transformiert – erneut mit höchster Treffsicherheit. 

Ein Kunstgriff von spezieller Würze

James Joyce' Ulysses, gezeichnet von Nicolas Mahler
Kuriose Anzeigenfragmente aus dem „Neuigkeits-Welt-Blatt“ in Nicolas Mahlers Illustration von James Joyce’s Ulysses

Dass er James Joyces Ulysses von Dublin nach Wien versetzt und sein Leopold Wurmb (statt Bloom) den 16. Juni 1904 mit äußeren und inneren Irrgängen in der Donaumetropole zubringt (auf über 280 Seiten, etwa dem doppelten Umfang von Mahlers Musil-Adaption!), entpuppt sich als Kunstgriff von spezieller Würze. Kuriose, virtuos collagierte Anzeigen- und sonstige Fragmente aus dem „Neuigkeits-Welt-Blatt“ dieses Datums machen die humorvoll-tiefsinnige Umtopfung perfekt. Und wieder gilt: Mahlers Graphic Novels verlocken uns, die Originale (erneut) zur Hand zu nehmen und herauszufinden, was und wie er diese durchleuchtet, verknappt und schärft.

James Joyce: „Ulysses“, neu übersetzt, stark gekürzt, erweitert und gezeichnet von Mahler (Suhrkamp)