Nico­las Alt­sta­edt, Lei­ter des Kam­mer­mu­sik­fes­tes Locken­haus im öster­rei­chi­schen Bur­gen­land, ruft zwei sträf­lich ver­nach­läs­sig­te Wer­ke in Erin­ne­rung. Mit sei­nem Streich­trio gelang Bar­tóks musik­eth­no­lo­gi­schem Mit­ar­bei­ter Sán­dor Veress im Schwei­zer Exil 1950 eine span­nen­de Syn­the­se aus Zwölf­ton­struk­tu­ren, klas­si­scher Sona­ten­satz­form und dem in der unga­ri­schen Volks­mu­sik form­bil­den­den Wech­sel von einem lang­sa­men Beginn in einen beschwing­ten Schluss­teil. Bar­tóks Pia­no­quin­tett von 1903/04, des­sen Auto­graf erst nach der Wie­der­ent­de­ckung 1970 gedruckt wur­de, offen­bart sich in die­ser von rhaps­odi­scher Beschwingt­heit getra­ge­nen Ein­spie­lung als vita­les Früh­werk mit spät­ro­man­ti­schen Har­mo­ni­en und einem prä­gnan­ten rhyth­mi­schen Eigen­le­ben. Weni­ge Jah­re spä­ter wird Bar­tók mit sei­nen For­schun­gen einen ande­ren musi­ka­li­schen Weg ein­schla­gen, hier steht er noch im hyp­no­ti­schen Bann des lan­gen 19. Jahr­hun­derts. 

Sán­dor Veress: „String Trio”, Béla Bar­tók: „Pia­no Quin­tet”, Vil­de Frang, Barn­abás Kele­men, Kata­lin Kokas, Law­rence Power, Nico­las Alt­sta­edt, Alex­an­der Lon­quich (Alpha)

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Roland H. Dippel brennt für Kontraste im groß(artig)en wie im klein(formatig)en Musik-, Tanz- und Konzert-Theater. Auf Entdeckungsreisen zu idyllischen Nischen und verwegenen Momenten folgt er freudig apollinischen Verheißungen und dionysischen Lockrufen. Boulevard, Belcanto, Brauchtum, ästhetische Exzesse in Literatur und Kunst sind Ziele seiner realen und fiktiven Abenteuer-Streifzüge. Er schätzt greifbare Bücher mehr als E-Books.

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