Zubin Mehta gilt als Grandseigneur am Dirigentenpult. Viele große Konzerte und Opernaufführungen leitete er. Fünfmal dirigierte er das Wiener Neujahrskonzert. Und mit großem Engagement widmete er sich der Uraufführung zeitgenössischer Kompositionen. Am 29. April 2021 feiert er seinen 85. Geburtstag. 

Auch wenn er die Rückschau scheut, kann Zubin Mehta auf eine glanzvolle Karriere und zahllose Erfolge zurückblicken. Nach Lehrjahren bei Hans Swarowsky in Wien, die er 1944 noch zur Zeit des Nationalsozialismus begann, stellte er 1956 während des Ungarischen Volksaufstands ein Studentenorchester zusammen und dirigierte es in einem Flüchtlingslager bei Wien. Zwei Jahre darauf gewann er den Dirigierwettbewerb in Liverpool, debütierte 1960 in den USA und wurde künstlerischer Direktor bei den Philharmonikern in Los Angeles. In der Folge stand er am Pult bei den Salzburger Festspielen, der Metropolitan Oper sowie der Mailänder Scala. 1968 begann seine Zusammenarbeit mit dem Israel Philharmonic Orchestra, zu dessen Musikdirektor auf Lebenszeit er ernannt wurde. 1978 übernahm er die Leitung der New Yorker Philharmoniker. Und von 1998 bis 2006 war er Generalmusikdirektor an der Bayerischen Staatsoper in München.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

1992 brachte Zubin Mehta mit dem Israel Philharmonic Orchestra im spanischen Toledo A Sephardic Passion von Noam Sheriff zur Uraufführung. Solist war Plácido Domingo.

Überaus verdienstvoll ist Zubin Mehtas Einsatz für die Werke zeitgenössischer Komponisten. So dirigierte er am 24. Oktober 1970 zum 25. Bestehen der Vereinten Nationen in New York die Philharmoniker von Los Angeles bei der Uraufführung von Krzysztof Pendereckis Kosmogonia. Penderecki hatte für das Werk ein Libretto aus Texten von Sophokles, Ovid, Kopernikus, Leonardo da Vinci, Giordano Bruno sowie der ersten Kosmonauten Juri Gagarin und John Glenn zusammengestellt, die das Thema Erde und Himmel umkreisten. Das Jubiläumskonzert mit Joana Neal, Robert Nagy und Bernard Ładysz konnte man in aller Welt im Radio mithören. Am Tag darauf wurde es in der Carnegie Hall wiederholt.

Auch seine Debütsaison bei den New Yorker Philharmonikern 1978/79 eröffnete Zubin Mehta mit der Uraufführung von Samuel Barbers Orchesterwerk Third Essay. 1982 holte er Jacob Druckman als Composer in Residence ans Orchester. Und 1983 brachte er mit dem Tenor Paul Sperry das Orchesterwerk Canti del sole von Bernard Rands zur Uraufführung, wofür dieser mit dem Pulitzer Preis ausgezeichnet wurde. 1986 widmete Karel Husa sein Orchesterkonzert Zubin Mehta und den New Yorker Philharmonikern.

Ravi Shankar und Zubin Mehta
Zubin Mehta und die New Yorker Philharmoniker bei der Uraufführung von Ravi Shankars zweitem Sitar-Konzert
(Foto: © Marianne Barcellona)

Das zweite Sitar-Konzert von Ravi Shankar brachte Zubin Mehta 1981 mit den New Yorker Philharmonikern zur Uraufführung. In Bombay als Sohn einer indischen Musikerfamilie geboren, konzentrierte sich Zubin Mehtas musikalische Ausbildung bei seinem Vater ausschließlich auf westliche klassische Musik. Erst später lernte er die klassische indische Musik kennen.

Mit dem European Community Youth Orchestra: Zubin Mehta und Ravi Shankar
Mit dem Jugendorchester der Europäischen Union: Zubin Mehta und Ravi Shankar 

An der Bayerischen Staatsoper dirigierte Zubin Mehta die Uraufführung von Aribert Reimanns Oper Bernarda Albas Haus nach dem Schauspiel von Federico García Lorca. Den Strukturen des Stück, in dem es um Unterdrückung von Triebverlangen, Hass, Gewalt und Fühllosigkeit geht, gab Reimann Ausdruck, indem er seine Komposition auf nur wenige Motive begrenzte und diese immer wieder neu verknüpfte. Durch die Beschränkung auf vier präparierte Klaviere, vier Flöten, fünf Klarinetten, drei Trompeten, drei Posaunen, eine Tuba sowie 12 Celli schuf er zudem eine karge und harte Musiksprache.

Zubin Mehta, Complete Edition

Zubin Mehta – The Complete Columbia Album Collection“ (94 CDs und 3 DVDs, 25. Oktober 2019, Sony)
Hier bestellen

Zubin Mehta, Retrospective

Zubin Mehta – Retrospective“ (7 DVDs, 28. Mai 2021, Euro Arts)
Hier bestellen

Die Staatskapelle Berlin und Daniel Barenboim würdigen ihren Ehrendirigenten Zubin Mehta zum 85. Geburtstag am 29. April 2021 mit einem Festkonzert. Mehr dazu unter: FOYER.de 

Foto Titelbild: Therry Linke / Sony

Previous articleBrucknerfest Linz plant rund 30 Veranstaltungen
Next articleBravo! Bravo!
Ruth Renée Reif
Das „flüchtige Ereignis“ in crescendo anzukündigen, ist die Aufgabe von Dr. Ruth Renée Reif: Als Erleben-Redakteurin spürt sie mit detektivischem Eifer packende, hören- und sehenswerte Veranstaltungen für uns auf. Dr. Ruth Renée Reif studierte in Wien Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte und ist seit ihrer Promotion 1987 in München als freie Journalistin und Publizistin tätig. Zu ihren Veröffentlichungen zählen eine Biografie über die Sängerin Karan Armstrong, ein historisches Porträt der Stuttgarter Philharmoniker sowie zahlreiche Gespräche mit Musikern, Schriftstellern und Philosophen.

LEAVE A REPLY

Please enter your comment!
Please enter your name here