Ivan Repušić leitet das Münchner Rundfunkorchester bei der Aufnahme spiritueller Kompositionen von Pēteris Vasks, die das emotionale Spektrum von der tiefsten Verzweiflung bis zur glücklichsten Hoffnung ausloten. 

Ende Juni 2020, bereits unter erschwerten Bedingungen, entstand eine Aufnahme, die besser nicht in ihre Zeit passen könnte. In reiner Streicherbesetzung und unter strengen Auflagen spielten die Musiker des Münchner Rundfunkorchesters unter der Leitung von Ivan Repušić Kompositionen des lettischen Komponisten Pēteris Vasks. Das Ergebnis ist berührend. Über den Abstand hinweg und durch die Plexiglaswände hindurch verschmilzt das Ensemble zu einer mitreißenden Einheit. 

Paradisi Gloria in der Herz-Jesu-Kirche München
Das Münchner Rundfunkorchester und der Chor des Bayerischen Rundfunks mit der Reihe Paradisi Gloria in der Herz-Jesu-Kirche München (Foto: © Münchner Rundfunkorchester)

Vasks Musik hat etwas Spirituelles, steckt voller Emotionen – von der tiefsten Verzweiflung hin zur glücklichsten Hoffnung. „Warum komponieren, wenn es keine Hoffnung gibt?“ sagte er einmal selbst im CRESCENDO-Interview. Als „trauriger Optimist“ bezeichnete sich der in der sowjetischen Unterdrückung aufgewachsene Sohn eines Pfarrers kürzlich in der nmz. Vasks Musik hat eine außergewöhnliche Kraft, er erschafft sphärische Momente, in denen man kaum wagt zu atmen, mitreißende folkloristische Rhythmen oder größtes, aufwühlendes Chaos. Für Vasks geht es in seiner Musik um Glaube, Liebe, Ideale und Hoffnung. Wie sein Vater predigt er – in der mächtigen Sprache der Musik.

Pēteris Vasks: „Viatore, Tālā gaisma, Erste Sinfonie“, Stanco Madić, Münchner Rundfunkorchester, Ivan Repušić (BR Klassik)