Am 7. März 2020 öffnet das neue Leopold-Mozart-Haus in Augsburg seine Tore.

Die neu gestaltete Dauerausstellung (Foto oben: © Mozartstadt Augsburg / Christian Menkel) im Augsburger Geburtshaus Leopold Mozarts nähert sich dem Musiker, Komponisten und Vater des berühmten Sohnes in Form eines sinnlichen und interaktiven Gemeinschaftserlebnisses.

Zugang zur neuen Dauerausstellung im  Leopold-Mozart-Haus in Augsburg

Eingangsbereich zur neu gestalteten Dauerausstellung im Augsburger Leopold-Mozart-Haus 
(Foto: © Mozartstadt Augsburg / Christian Menkel)  

Gemeinsam hören und fühlen

Die Herausforderung bestand darin, eine Ausstellung zu entwerfen, die ohne Originalobjekte auskommen muss. Gefunden wurde die Lösung in einem Konzept, das vorrangig auf sinnliches Erleben setzt. Die Besucher werden eingeladen, gemeinsam zu hören, zu fühlen und mitzumachen.

Nachbau der Reisekutsche, in der Leopold Mozart mit seiner Familie fuhr

Nachbau der Reisekutsche, mit der Leopold Mozart und seine Familie reisten
(Foto: © Mozartstadt Augsburg / Christian Menkel)  

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So gibt es einen begehbaren Nachbau der Reisekutsche, in der Leopold Mozart mit seiner Familie fuhr. Ein Zimmertheater im Barockstil dient mit einem historischen Stein-Flügel auch als Konzert- und Veranstaltungsraum. Und in einer Hörlounge kann man den Komponisten Leopold Mozart kennenlernen.

Interaktive Annäherung an Leopold Mozart

Leopold Mozart interaktiv erfahrbar werden zu lassen – das ist das Ziel der Ausstellung
(Foto: © Mozartstadt Augsburg / Ruth Ploessel) 

Darüber hinaus wurde ein Sinnesraum geschaffen, der die Musik zur unmittelbaren körperlichen Erfahrung werden lässt.

Leopold Mozart in seiner GeburtsstadtAugsburg

Augsburg im 18. Jahrhundert 
(Foto: © Mozartstadt Augsburg / Ruth Ploessel) 

Vom Herbst 2018 an arbeitete ein Kuratorenteam unter der Federführung des Kulturreferats der Stadt Augsburg an der Konzeption. Beteiligt waren Simon Pickel, der Leiter des Mozartbüros im Kulturamt der Stadt Augsburg, Ute Legner, die Leiterin des städtischen Musikvermittlungsprogramms MEHR MUSIK!, Professor Dr. Johannes Hoyer, der Leiter des Master-Studiengangs Musikvermittlung am Leopold-Mozart-Zentrum der Universität Augsburg, sowie der Kunsthistoriker Ulrich Heiss. Die Gestaltung und Umsetzung der Ausstellung übernahm die Agentur unodue.

Das Geburtshaus von Leopold Mozart in Augsburg ist heute Museum.

Das Geburtshaus von Leopold Mozart – heute Standort der Dauerausstellung
(Foto: © Mozartstadt Augsburg / Ruth Ploessel) 

Humanistische Ausbildung bei den Jesuiten

Leopold Mozart wurde 1719 in Augsburg geboren. Er entstammt einer Familie von Handwerkern. Seine Eltern wohnten in der Jesuitengasse in einem Haus, das dem Jesuitenorden gehörte. Und Leopold Mozart besuchte das Jesuitenkolleg St. Salvator. Er hielt eine umfassende humanistische, naturwissenschaftliche, sprachliche und musische Ausbildung. Als Sänger und Geiger wirkte er zudem an vielen Schulaufführungen mit.

Dem Komponisten Leopold Mozart nachhören

Leopold Mozart als Komponist – im Hörraum der Ausstellung wird seine Musik lebendig
(Foto: © Mozartstadt Augsburg / Christian Menkel) 

Ein Studium der Philosophie und Jurisprudenz an der Universität Salzburg musste er aufgeben, weil er wegen mangelnden Fleißes und geringer Anwesenheit von der Universität verwiesen wurde.

Kammerdiener und Musiker

So wurde er Kammerdiener und Musiker. 1747 heiratete er Anna Maria Perl, die Tochter einer verarmten Familie. Seine Mutter hielt ihm seine Ausstattung von 300 Gulden vor. Ihr Wunsch war es gewesen, dass ihr ältester Sohn Priester werde. Auch wünschte sie seine Rückkehr nach Augsburg.

Die neue Dauerausstellung im Leopold-Mozart-Haus Augsburg

Blick in die neue Dauerausstellung im Augsburger Leopold-Mozart-Haus
(Foto: © Mozartstadt Augsburg / Christian Menkel) 

Die Violinschule

Leopold Mozart brauchte das Geld, um den 1755 den Druck seines Lehrbuchs Versuch einer gründlichen Violinschule zu finanzieren, jenes Werks, mit dem er Eingang in zahlreiche Lexika fand. Die Weigerung der Mutter verbitterte ihn. In einem Brief schrieb er, falls sie sich weigere zu zahlen, „möchten sie heut oder morgen der teufel hollen“. Die beiden zerstritten sich so sehr, dass jeder Kontakt abbrach.

Nachgestaltete Anzüge, wie Leopold Mozart sie getragen haben könnte

Kleidungsstücke der Art, wie Leopold Mozart sie getragen haben könnte
(Foto: © Mozartstadt Augsburg / Christian Menkel) 

Leopold Mozarts Aufstieg als Musiker begann im Dienste des Salzburger Erzbischofs. 1743 wurde er Violinist im fürstlichen Orchester, in dem er es schließlich zum Vizekapellmeister brachte.

Unzählige und anschauliche Briefe

Als Ausgangspunkt der Ausstellung dienten Leopold Mozarts „unzählige und äußerst anschauliche Briefe“. So stellt die Ausstellung unter anderem die Frage, was aus Wolfgang Amadeus geworden wäre, wenn er einen anderen Vater gehabt hätte. Diese Frage trieb bereits viele Biografen von Wolfgang Amadeus um.

Bitternisse des Lebens 

Im Laufe der Jahrhunderte erfuhr die Antwort darauf eine zunehmende Umdeutung. Übernahmen die Biografen des 19. Jahrhunderts noch das Selbstbild, das Leopold Mozart von sich entwarf, so tauchten zu Beginn des 20. Jahrhunderts zunehmend Zweifel am Ideal einer patriarchalischen Familie auf. In Zweifel gezogen wurde auch, ob Leopold Mozart wirklich die menschliche Größe besaß, das Ausmaß der schöpferischen Entwicklung seines Sohnes anzuerkennen. Zu demütigend und bitter war das eigene Leben.

Nachbau eines Barocktheaters

Nachbau einer Barockbühne mit einem Proszenium und einer tiefen Hauptbühne. Seitlich die in der Tiefe gestaffelten und perspektivisch bemalten Kulissen. Hinten der ebenfalls bemalte Prospekt. 
(Foto: © Mozartstadt Augsburg / Christian Menkel) 

Aufschlussreich ist ein Brief vom 29. Dezember 1777, in dem Leopold Mozart die Erwartung äußert, dass sein Sohn „gewiß alles thun wird, sich Rhum, Ehre und Geld zu machen, um uns zu retten, und seinen Vater nicht dem höhnischen gespöth und Gelächter gewisser Personen, die ich euch nicht nennen darf, auszusetzen; welches mich gewiß unter die Erde bringen würde. Sein Glück, sein Rhum wird die süsseste Rache für uns seyn“.

Den ganzen Leopold Mozart möchte die Ausstellung präsentieren.

Der Sinnesraum in der neuen Dauerausstellung
(Foto: © Mozartstadt Augsburg / Christian Menkel) 

Wolfgang Amadeus war damals noch keine fünf Jahre alt. Da wünschte sich sein Vater von ihm bereits Errettung von all den Demütigungen, die ihm widerfahren waren.

Den ganzen Mozart zeigen

Zu beleuchten ist in diesem Zusammenhang auch das Leben der Tochter Maria Anna, die in ihrer musikalischen Begabung dem Bruder nicht nachstand, jedoch in eine Ehe mit einem 15 Jahre älteren Mann gezwungen wurde und dem Vater nach dem Tod der Mutter als Ersatzehefrau dienen musste.

Ein historischer Flügel für Aufführungen

Ein historischer Flügel für Musikveranstaltungen im Leopold-Mozart-Haus
(Foto: © Mozartstadt Augsburg / Christian Menkel) 

Die Ausstellung setzt sich das Ziel, den ganzen Mozart zu zeigen und nicht nur den Vater. Leopold Mozart sei eine eigenständige Persönlichkeit, die zwar untrennbar mit seinem Sohn verbunden bleiben werde, aber dennoch viel mehr zu bieten habe. In elf Themenräumen werden Mozarts Briefe zum Leben erweckt. 

Im Herbst 2019 erschien bei Bärenreiter die von der Stadt Augsburg bei Silke Leopold in Auftrag gegebene Biografie „,Ein Mann von vielen Witz und Klugheit‘. Leopold Mozart. Eine Biographie“. Mehr dazu auf crescendo de

Informationen zu Öffnungszeiten und Veranstaltungen des Leopold-Mozart-Hauses in Augsburg : www.mozartstadt.de

Von 8. Mai bis 14. Juni 2020 findet in Augsburg unter dem Motto „MZRT & BTHVN“ das Deutsche Mozartfest statt. Mehr dazu: www.mozartstadt.de

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Ruth Renée Reif
Das „flüchtige Ereignis“ in crescendo anzukündigen, ist die Aufgabe von Ruth Renée Reif: Als Erleben-Redakteurin spürt sie mit detektivischem Eifer packende, hören- und sehenswerte Veranstaltungen für uns auf. Ruth Renée Reif studierte in Wien Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte und ist seit ihrer Promotion 1987 in München als freie Journalistin und Publizistin tätig. Zu ihren Veröffentlichungen zählen eine Biografie über die Sängerin Karan Armstrong, ein historisches Porträt der Stuttgarter Philharmoniker sowie zahlreiche Gespräche mit Musikern, Schriftstellern und Philosophen.

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