Henry Raudales dirigiert das Münchner Rundfunkorchester bei der Aufnahme von Felix Mendelssohn Bartholdys Streichersinfonien. 

Lob von höchster Stelle bekommt Felix Mendelssohn Bartholdy bereits als Teenager in den Sonntagskonzerten seines Vaters. „Was aber Dein Schüler jetzt leistet“, schreibt Goethe an Mendelssohns Lehrer Carl Friedrich Zelter, „mag sich zum damaligen Mozart verhalten wie die ausgebildete Sprache eines Erwachsenen zu dem Lallen eines Kindes.“ Doch der 14-Jährige bleibt selbstkritisch. Zwölf Streichersinfonien kann er bereits vorweisen, ein Violinkonzert und sogar eine Oper. 

Höllischer Respekt vor der Druckerschwärze

Zum Druck möchte er die meisten Werke nicht herausgeben, aus „höllischem Respekt vor der Druckerschwärze”. Tatsächlich wirken die ersten sechs Sinfonien wie Studienwerke, im Stil von Carl Philipp Emanuel Bach. Die anderen sechs aber orientieren sich an Joseph Haydn und wachsen über sich hinaus. In den Händen von Henry Raudales, der als Erster Konzertmeister das Münchner Rundfunkorchester führt, sind sie bestens aufgehoben. In Guatemala geboren, war auch er ein Wunderkind, das Yehudi Menuhin vorspielte und mit einem Violinkonzert von Mendelssohn debütierte.

Felix Mendelssohn Bartholdy: „The Complete String Symphonies”, Münchner Rundfunkorchester, Henry Raudales (BR Klassik)

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„Bis zum Lorbeer versteig' ich mich nicht. G'fallen sollen meine Sachen!“ (J. N. Nestroy) findet Teresa Pieschacón Raphael. Sie hält es mit J. Pulitzers Devise: „Schreibe kurz – und sie werden es lesen. Schreibe klar – und sie werden es verstehen. Schreibe bildhaft – und sie werden es im Gedächtnis behalten.“ In Bogotá wuchs sie auf, in Tübingen und Wien studierte die Enkelin des Komponisten Günter Raphael (1903–1960) Musikwissenschaft und Philosophie und verfiel dem Journalismus. Sie lebt heute als freie Musik- und Kulturpublizistin in München. Ihre Reportagen, Interviews und Konzertprogrammhefte erscheinen in unterschiedlichsten Medien: vom ARTE Magazin bis zur Vogue, von Brigitte bis zur Wirtschaftswoche, vom Dortmunder Konzerthaus bis zu den Salzburger Festspielen… und seit über zehn Jahren bei crescendo.