Così facciamo

Die Fallstricke des Orientalismus

von Ruth Renée Reif

23. März 2022

Das Ensemble Così facciamo bringt Georg Friedrich Händels Oper „Cesare in Egitto“ auf historischen Instrumenten und mit Spirituals, Blues & Jazz auf die Bühne.

Das Ensemble Così fac­ciamo begreift Oper als ein Lehr­stück und als Auf­for­de­rung, über Ori­en­ta­lismus und Kolo­nia­lismus nach­zu­denken. Wie Händel ferne und fremde his­to­ri­sche Figuren in nahe Bekannte umge­wan­delt habe, so sei es jetzt an der Zeit, „ferne und angeb­lich exo­ti­sche Schau­plätze in die eigene Erfah­rungs­welt zu inte­grieren“. Ver­mieden werden sollten damit „die Fall­stricke eines nicht mehr halt­baren Orientalismus“.

Gesellschaft römischer Ritter

Als Hän­dels Oper Cesare in Egitto 1724 am Lon­doner Hay­market Theatre zur Urauf­füh­rung kam, standen die besten und teu­ersten Sänger der Welt auf der Bühne. Die ver­füh­re­ri­sche und kluge Cleo­patra, die von Caesar gerettet wird und zur allei­nigen Herr­scherin Ägyp­tens auf­steigt, gefiel dem Lon­doner Publikum. Vor allem aber ent­sprach das Sujet der Oper der Römer-Mode, an der die Lon­doner Adels­kreise sich damals delek­tierten. Ade­lige forschten nach römi­schen Vor­fahren und grün­deten eine „Gesell­schaft römi­scher Ritter“.

Ägyptomanie

Das Ensemble Così fac­ciamo ver­legt für seine Auf­füh­rung die Hand­lung in die 1920er-Jahre und ein Ambi­ente, das von Ägyp­to­manie geprägt gewesen sei. Aus­ge­löst hatte diese Welle der Ägyp­ten­be­geis­te­rung für Ent­de­ckung des Garbes von Tutan­chamun 1922. Der bri­ti­sche Ägyp­to­loge Howard Carter hatte es im Tal der Könige gefunden. Die Mel­dungen dar­über sowie über die Öff­nung des Grabes 1923 gingen um die Welt.

Così fac­ciamo sieht sich als neue Genera­tion von Ensem­bles, die auf alten Instru­menten musi­zieren. Her­vor­ge­gangen aus Niko­laus Har­non­courts Salz­burger Semi­naren für his­to­ri­sche Auf­füh­rungs­praxis, ist sein Name zugleich Pro­gramm: Così fac­ciamo (So machen wir es) soll aus­drü­cken, dass sie den Anspruch auf his­to­ri­sche Authen­ti­zität dem „über­zeugt eigenen Aus­druck“ unter­ordnen. So widmet sich das Ensemble auch immer wieder Neuer Musik, die es eben­falls auf his­to­ri­schen Instru­menten interpretiert.

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Weitere Aufführungen von Cesare in Egitto durch das Ensemble Così facciamo am 1., 3. und 4. Juni 2022 im Cuvilliés-Theater in München sowie am 28. und 29. Mai 2022 im Theater Aschaffenburg unter: cosifacciamo.de