Rem­brandt ist der Maler des Lichts, der Selbst­er­for­schung und der Dar­stel­lung des Mensch­li­chen. Sein Werk ist gewal­tig. In etwa 600 Gemäl­den, über 300 Radie­run­gen und mehr als 1500 Hand­zeich­nun­gen ist es erhal­ten. Bereits das frü­he Gemäl­de „Sam­son und Dali­la“ aus dem Jahr 1628 zeigt, wie Rem­brandt es ver­stand, durch den Ein­satz von Licht den Ablauf einer Sze­ne dar­zu­stel­len. Die aus dem Alten Tes­ta­ment stam­men­de Geschich­te erzählt von dem Hel­den Sam­son, den die Göt­ter mit unbe­sieg­ba­rer Kraft geseg­net haben. Es darf nur nie­mals eine Sche­re an sein Haar gelan­gen, sonst ver­liert er die­se Kraft. Als Sam­son sich in Dali­la ver­liebt, bestechen die Phi­lis­ter sie, ihm das Geheim­nis sei­ner Kraft zu ent­lo­cken. Drei­mal gibt er ihr eine fal­sche Ant­wort. Als er ihr die Wahr­heit gesteht, lie­fert sie ihn aus. Rem­brandt stellt die Sze­ne dra­ma­tisch in einem Halb­dun­kel dar. Mit­tels des Lichts ver­mit­telt er dem Betrach­ter die zeit­li­che Abfol­ge des Gesche­hens. Von Sam­son, der schla­fend im Schoß der Ver­rä­te­rin liegt, über den Sol­da­ten mit der Sche­re bis zum Sol­da­ten mit dem Schwert für die Blen­dung.

Rembrandt: „Samson und Dalila“, 1629/1630, 
Staatliche Gemäldegalerie, Berlin
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Die­se Licht­in­sze­nie­rung brach­te Rem­brandt auch in sei­nen Por­träts zur Anwen­dung und erlang­te damit Berühmt­heit. 1606 in Ley­den gebo­ren, ließ er sich nach sei­ner Aus­bil­dung 1630 in Ams­ter­dam nie­der. Die Voll­kom­men­heit sei­ner Bild­nis­se brach­ten ihm Erfolg, Ruhm und wirt­schaft­li­chen Auf­stieg. Er erhielt Auf­trä­ge für hun­der­te von Por­träts, da er durch die Kraft sei­ner Dar­stel­lung des Mensch­li­chen alle ande­ren über­traf. 1634 hei­ra­te­te er Sas­kia Uylen­burgh, die Toch­ter eines ange­se­he­nen, wohl­ha­ben­den Juris­ten. Er erwarb ein gro­ßes Haus, das er mit Kunst­wer­ken und Kurio­si­tä­ten füll­te.

Rembrandt: „Die Nachtwache“, 1642, 
Rijksmuseum Amsterdam

1642 voll­ende­te er die soge­nann­te „Nacht­wa­che“, sein berühm­tes­tes Bild. Der Auf­trag lau­te­te: 16 Mit­glie­der der Ams­ter­da­mer Bür­ger­wehr, die Com­pa­gnie des Haupt­man­nes Frans Ban­ninck Coq, gemein­sam zu por­trä­tie­ren. Rem­brandt erfüll­te ihn mit einer Lösung, die die dama­li­ge Tra­di­ti­on sol­cher Grup­pen­bild­nis­se durch­brach. Er zeig­te die Schüt­zen in his­to­ri­schen Kos­tü­men im Augen­blick des Auf­bruchs: Der Haupt­mann befiehlt dem Leut­nant, er sol­le die Kom­pa­nie antre­ten las­sen. Die Trom­mel wird geschla­gen und die Fah­ne erho­ben. Alles ist in Bewe­gung. Die Schüt­zen tre­ten aus der Tie­fe her­vor, um Auf­stel­lung zu neh­men. Das Licht hebt die Grup­pen aus dem Hell­dun­kel her­vor. Die Schat­tig­keit des Bil­des, das ihm die Bezeich­nung die „Nacht­wa­che“ ein­trug, wur­de bereits von den Zeit­ge­nos­sen kri­ti­siert. 

Rembrandt: „Kleines Selbstbildnis“, etwa 
1655, Kunsthistorisches Museum, Wien

Aber Rem­brandt insze­niert nicht nur sei­ne Bil­der, son­dern auch sich selbst. Das Ate­lier des Künst­lers, wie es im 19. Jahr­hun­dert beliebt wer­den soll­te, und auch die Künst­ler­tracht wur­den zuerst von ihm geschaf­fen. Er stell­te sein Aus­se­hen zur Schau und mal­te sich selbst vor der Staf­fe­lei. Auch das Bio­gra­fi­sche gewann bei ihm erst­mals Bedeu­tung. Er beschäf­tig­te sich mit dem Wan­del sei­ner Kunst. So ist mehr als die Hälf­te sei­ner 600 Gemäl­de datiert. Beein­dru­ckend ist die Selbst­er­for­schung in sei­nen letz­ten Por­träts. Nach dem Tod sei­ner Frau und dem Ver­lust sei­nes Hau­ses leb­te er mit dem Bau­ern­mäd­chen Hend­rick­je Stof­fels zusam­men, die neben sei­nem Sohn Titus zu sei­nem wich­tigs­ten Modell wur­de, und zog sich zuneh­mend vom mon­dä­nen Leben zurück. Neben bibli­schen Sze­nen ver­fer­tig­te er in die­sen letz­ten Jah­ren etwa 60 Selbst­bild­nis­se. Sie zei­gen einen ver­son­ne­nen Aus­druck, aber auch das Alter und sei­ne ver­fal­le­nen Züge. 1663 stirbt Hend­rick­je, 1668 sein Sohn Titus. Im Jahr dar­auf endet auch Rem­brandts Leben.

Rem­brandts Werk ist anläss­lich sei­nes 350. Todes­ta­ges im Rijks­mu­se­um in Ams­ter­dam in einer gro­ßen Aus­stel­lung zu sehen. „Alle Rem­brandts“ lau­tet der Titel. Gezeigt wird der gesam­te Bestand: 22 Gemäl­de, 60 Zeich­nun­gen und über 300 Druck­gra­fi­ken.

www.rijksmuseum.nl/

Ab 3. Okto­ber 2019 zeigt das Wall­raf-Rich­artz-Muse­um in Köln Rem­brandts gra­fi­sches Werk. Dazu haben am 4. Okto­ber 2019, dem Todes­tag Rem­brandts, alle Besu­che­rIn­nen frei­en Ein­tritt.

www.wallraf.museum/

Und ab 1. Novem­ber 2019 geht die Son­der­aus­stel­lung „Insi­de Rem­brandt. 1606–1669“ dem Künst­ler­le­ben Rem­brandts nach.

www.wallraf.museum/

Zudem kamen anläss­lich des Todes­ta­ges im Ver­lag Taschen zwei gro­ße Buch­edi­tio­nen auf den Markt:

 

Rem­brandt. Sämt­li­che Gemäl­de“

www.amazon.de

 

 „Rem­brandt. Sämt­li­che Zeich­nun­gen und Radie­run­gen“

www.amazon.de

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Ruth Renée Reif
Das „flüchtige Ereignis“ in crescendo anzukündigen, ist die Aufgabe von Ruth Renée Reif: Als Erleben-Redakteurin spürt sie mit detektivischem Eifer packende, hören- und sehenswerte Veranstaltungen für uns auf. Ruth Renée Reif studierte in Wien Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte und ist seit 1987 in München als freie Journalistin und Publizistin tätig. Zu ihren Veröffentlichungen zählen eine Biografie über die Sängerin Karan Armstrong, ein historisches Porträt der Stuttgarter Philharmoniker sowie zahlreiche Gespräche mit Musikern, Schriftstellern und Philosophen.

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