Sei­ne außer­ge­wöhn­li­che tän­ze­ri­sche Bega­bung, sein Lebens­stil und sein Schick­sal lie­ßen Rudolf Nure­jew welt­be­rühmt wer­den. Er revo­lu­tio­nier­te den Bal­lett­tanz, beflü­gel­te die Fan­ta­sie des Publi­kums und schlug es in sei­nen Bann. Als Mit­glied der legen­dä­ren Kirow-Trup­pe war er zum bekann­tes­ten Tän­zer der Sowjet­uni­on auf­ge­stie­gen. Da setz­te er sich 1961 bei einem Gast­spiel in Paris unter dra­ma­ti­schen Umstän­den in den Wes­ten ab. Umzin­gelt von Beam­ten des KGB, die ihn vor­zei­tig in die Sowjet­uni­on zurück­brin­gen soll­ten, bat er in der Flug­ha­fen­hal­le von Le Bour­get die fran­zö­si­sche Poli­zei um poli­ti­sches Asyl: „Ich will blei­ben und poli­ti­sches Asyl bekom­men.“

In sei­nem Film „Nure­jew – The White Crow“ erzählt Regis­seur Ralph Fien­nes die unglaub­li­che Geschich­te der sowje­ti­schen Bal­lett­le­gen­de nach. Ange­regt dazu hat­te ihn die groß­ar­ti­ge Nure­jew-Bio­gra­fie von Julie Kava­nagh (deutsch 2008 bei Pro­py­lä­en). „Der glü­hen­de Wunsch die­ses Jun­gen, sich selbst zu ver­wirk­li­chen“, habe ihn gereizt, erläu­tert Fien­nes. Gedreht auf 16 mm, lässt der Film in atmo­sphä­ri­schen Bil­dern die 1960er-Jah­re, den Kal­ten Krieg und das Schick­sal des gran­dio­sen Tän­zers wie­der auf­le­ben. Für die Rol­le Nure­jews wähl­te Fien­nes den ukrai­ni­schen Bal­lett­tän­zer Oleg Iven­ko (Foto oben, © Ala­mo­de Film). „Nure­jew hat­te etwas Quir­li­ges, Ero­ti­sches, Gefähr­li­ches, wirk­te immer, als ob er kurz davor wäre, arro­gant, unge­hal­ten und aggres­siv zu wer­den – die­se Art von Stim­mung hat er ver­mit­telt“, begrün­det er sei­ne Ent­schei­dung. „Und ich fühl­te: Oleg könn­te das unter mei­ner Anlei­tung spie­len. Er war groß­ar­tig und wur­de immer bes­ser.“

Ralph Fien­nes, der Regis­seur des Films, in
der Rol­le des Tanz­leh­rers Alex­an­der Pusch­kin,
der ent­schei­dend für Nure­jews Kar­rie­re und
die Ent­fal­tung sei­nes Talents war.
(©Ala­mo­de Film)
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Die Rol­le von Alex­an­der Pusch­kin, Nure­jews Leh­rer, der mit sei­ner Metho­de der Ein­fach­heit und der natür­li­chen Über­gän­ge sei­ne Kar­rie­re ent­schei­dend beein­fluss­te, über­nahm Fien­nes selbst. Das Dreh­buch schrieb David Hare. Die Musik kom­po­nier­te Ilan Esh­ke­ri.

www.nurejew-thewhitecrow.de/#/

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Ruth Renée Reif
Das „flüchtige Ereignis“ in crescendo anzukündigen, ist die Aufgabe von Ruth Renée Reif: Als Erleben-Redakteurin spürt sie mit detektivischem Eifer packende, hören- und sehenswerte Veranstaltungen für uns auf. Ruth Renée Reif studierte in Wien Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte und ist seit 1987 in München als freie Journalistin und Publizistin tätig. Zu ihren Veröffentlichungen zählen eine Biografie über die Sängerin Karan Armstrong, ein historisches Porträt der Stuttgarter Philharmoniker sowie zahlreiche Gespräche mit Musikern, Schriftstellern und Philosophen.

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