Die Bakchen des Euripides in ein modernes Musikdrama zu verwandeln und dieses nach dem Aischylos-Fragment aus dem Lykurgos-Zyklus Bassarai (Fuchsfelljägerinnen) zu nennen – diese Idee sei von W. H. Auden gekommen, berichtet Hans Werner Henze in seinen Autobiographischen Mitteilungen. Er sei sofort begeistert gewesen von der szenischen Situation, die der Librettovorschlag von Auden und Chester Simon Kallman geboten habe. In seiner Partitur habe er darzustellen versucht, „wie das Tonmaterial des Gottes Dionysos langsam, lockend, listig und am Ende dann auch äußerst gewalttätig die mönchisch-keusche Klangwelt des Pentheus vernichtet“. Den beiden Gegenspieler Pentheus und Dionysos ordnet Henze jeweils eine Zwölftonreihe zu. Die beiden Bereiche greifen ineinander, bis das Dionysische die Oberhand gewinnt und das Klangmaterial des Pentheus zum Verschwinden bringt. Vorangestellt ist der Partitur ein Zitat Gottfried Benns: „Der Mythos log.“ Habe das 18. Jahrhundert es als erwiesen erachtet, dass in einem Konflikt zwischen Vernunft und Unvernunft die Vernunft zu siegen habe, so wisse man heute, dass ganze Gesellschaften vom „Dämon“ befallen werden könnten.

Intendant Barrie Kosky führt Regie
(©Jan Windszus).

Barrie Kosky, der Intendant des Hauses, setzt das Werk mit Vladimir Jurowski (Foto oben, © Drew Kelley IMG Artists) am Pult in Szene. Dionysos und Pentheus verkörpern Sean Panikkar und Günter Papendell.

Weitere Aufführungen finden am 17. und 20. Oktober, am 2., 5. und 10. November 2019 sowie am 26. Juni 2020 statt.

Informationen: www.komische-oper-berlin.de

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