Faust Festival München 2018

Des Pudels ­glanz­voller Kern

von Antoinette Schmelter-Kaiser

8. Februar 2018

In München dreht sich ab Februar 2018 ein halbes Jahr lang alles um Goethes Faust. Am einzigartigen Festival sind alle von der Bayerischen Staatsoper bis zur Paulaner-Brauerei beteiligt.

Niemals hätte Roger Diederen mit den Wellen gerechnet, die seine Idee schlagen würde: Bei den Vorbe­rei­tungen zur Ausstel­lung „Du bist Faust“ wurde dem Direktor der Münchner Kunst­halle vor zwei Jahren klar, wie aktuell und viel­fältig Goethes Drama als Inspi­ra­ti­ons­quelle ist. Seine Idee, das Thema über den Rahmen seiner Räume hinaus auch andern­orts neu zu inter­pre­tieren, begeis­terte nicht nur Max Wagner, damals frisch geba­ckener Geschäfts­führer des Gasteig. Bereits beim ersten Treffen mit poten­zi­ellen Koope­ra­ti­ons­part­nern Ende 2016 „war die Bude voll“, erin­nern sich die beiden. Beim zweiten kamen 300 Gäste. Auch die Zahl mögli­cher Veran­stal­tungen nahm rasant zu – von 100, die Diederen und Wagner anfäng­lich für „ambi­tio­niert“ hielten, auf mehr als 500. „Wir wollen den Stoff öffnen, frisch und auch mit einem Augen­zwin­kern angehen“, erklärt Anna Klee­blatt, die als Projekt­lei­terin mit ins Boot geholt wurde und ihr Netz­werk einbrachte. „Dabei kann jeder über alle Sparten und Genres hinweg mitma­chen.“

Der Gasteig, der unter Wagner explizit die Schwelle niedrig setzen will und Kultur­ver­mitt­lung als seine wich­tigste Aufgabe versteht, wird das Festival-Zentrum. High­lights im fünf­mo­na­tigen Event-Reigen sind vom 23. Februar bis 29. Juli neben der großen Ausstel­lung in der Kunst­halle Beiträge renom­mierter Insti­tu­tionen – egal ob Martin Kušejs Faust-Insze­nie­rung am Resi­denz­theater oder Auffüh­rungen von Mefi­s­to­fele mit in der Baye­ri­schen Staats­oper. Darüber hinaus gibt es breit­ge­fä­cherte Ange­bote unter­schied­lichster Veran­stalter, die alle­samt auf ihre Weise aktiv werden: Im Paulaner am Nock­her­berg wird beispiels­weise als Spezi­al­bier „Faustus“-Weizenbock gebraut und über Wochen hinweg ausge­schenkt. Beim Faschingszug Anfang Februar stellen Teil­nehmer des Münchner Galerie Thea­ters Fausts Himmel­fahrt dar. Ab Ende Februar ermög­licht Klang­künstler Mathis Nitschke Smart­phone-Besit­zern Hörspa­zier­gänge namens „Vergehen“. Im Rahmen des Gute Stube Erzähl­fes­ti­vals suchen Gabi Alten­bach und Ines Honsel nach der Geschichte, die Goethe zu seinem wich­tigsten Werk inspi­rierte. Und mit einer „Ein-Frau+Puppen-Voll-Playback-Show“ bereitet Bridge Mark­land den Stoff ab Mitte April unter anderem in der Stadt­bi­blio­thek für die Genera­tion Popmusik auf.

„Das Gesamt­ergebnis ist mehr als die Summe seiner Teile“, freut sich Max Wagner über so viel Einfalls­reichtum. „Der Charme des Festi­vals ist, dass wir bewusst auf die Auswahl durch Kura­toren verzichtet haben.“ Dabei sind alle 120 Partner sowohl orga­ni­sa­to­risch als auch finan­ziell selbst für ihre Programm­bei­träge verant­wort­lich. Eine gemein­same Website erlaubt Zugriff auf eine detail­lierte Daten­bank mit allen Terminen, Inhalten und Veran­stal­tern. Über­dies wird das Festival mit Plakaten und Flyern beworben, die das Logo mit einem im Comic­stil gedruckten Schriftzug auf reclam­heft­gelbem Grund tragen – für die Orga­ni­sa­toren eben­falls ein Ausdruck ihrer Über­zeu­gung, wie „heutig und rele­vant“ Goethes Klas­siker ist. Dass das „Faust-Fieber“ derart viele Menschen infi­ziert hat, entschä­digt Roger Diederen und Max Wagner dafür, dass sie neben ihren Haupt­auf­gaben „wahn­sinnig viel Zeit“ in die Vorbe­rei­tung des Festi­vals gesteckt und „Nächte durch­ge­plant“ haben. Und Anna Klee­blatt attes­tiert eine „unglaub­lich schöne Arbeit, die viele neue Verbin­dungen geknüpft hat“.

Faust Festival
23.2.–29.7.18
www​.faust​fes​tival​.com

Fotos: Faust-Festival / Robert Haas