Karl Alfred Schreiner thematisiert in seiner Choreografie Undine – ein Traumballett für das Münchner Gärtnerplatztheater den Wunsch, anders zu sein und doch dazuzugehören. Premiere mit Michael Brandstätter am Pult ist am 12. November 2020. Und alle Termine sind ausverkauft. 

Die Sehnsucht nach dem Unerreichbaren sieht der Choreograf Karl Alfred Schreiner in der Figur der Seejungfrau Undine verkörpert. Der Ursprung dieser Figur reicht weit zurück. 1811 erschien eine Erzählung von Friedrich de la Motte Fouqué mit dem Titel Undine, der ein enormer Erfolg beschieden war. Sie wurde in alle Weltsprachen übersetzt und in zahllosen Auflagen verbreitet. Im Nachwort nennt Fouqué seine Quelle.

Chreografiert Undine: Karl Alfred Schreiner
Verbindet den Undine-Stoff mit Themen wie der Verknüpfung seelischer Sehnsucht mit erotischem Begehren: Der Choreograf Karl Alfred Schreiner
(Foto: © Robert Brembeck)

Im Werk von Paracelsus über die Elementargeister, die mit menschlichen Eigenschaften ausgestattet seien, denen aber die Seele fehle, sei er auf die Schilderung gestoßen, dass ein Wassergeist in den Besitz einer menschlichen Seele kommen könne, wenn er einen Menschen heirate. Er verliere sie jedoch wieder, wenn sein Gemahl ihn über Wasser beleidige. 

Eine Seele und irdisches Leid

Als Beweis führt Paracelsus eine Historie von der Nymphe im Stauffenberg an. Diese Motivkonstellation übernahm Fouqué für seine Erzählung über die Liebe des schönen Meerfräuleins Undine zu dem Ritter Huldbrand von Ringstetten. Undine wandelt sich vom naiv-unschuldigen Naturgeschöpf zum schuldhaft-leidenden Menschen. Der Preis für die Seele ist das irdische Leid.

Undine-Kostümentwurf von Caroline Czaloun-Moore
Kostümentwürfe für Undine von Caroline Czaloun-Moore
(Titelfoto des Beitrags und Foto: © Caroline Czaloun-Moore)

Schreiner greift die Figur, von der sich bereits viele Dichter, Komponisten und auch Choreografen inspirieren ließen, erneut auf. Seine Auseinandersetzung mit dem Stoff verbindet er mit Themen wie dem Wunsch, anders zu sein und doch dazuzugehören, der Verknüpfung seelischer Sehnsucht mit erotischem Begehren und dem Traum von einer anderen Welt. Am Pult steht Michael Brandstätter. Die Kostüme entwarf Caroline Czaloun-Moore. Premiere ist am 12. November 2020. Weitere Aufführungen gibt es am 14., 19. 20. und 27. November 2020.

Weitere Informationen unter: www.gaertnerplatztheater.de

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Das „flüchtige Ereignis“ in crescendo anzukündigen, ist die Aufgabe von Dr. Ruth Renée Reif: Als Erleben-Redakteurin spürt sie mit detektivischem Eifer packende, hören- und sehenswerte Veranstaltungen für uns auf. Dr. Ruth Renée Reif studierte in Wien Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte und ist seit ihrer Promotion 1987 in München als freie Journalistin und Publizistin tätig. Zu ihren Veröffentlichungen zählen eine Biografie über die Sängerin Karan Armstrong, ein historisches Porträt der Stuttgarter Philharmoniker sowie zahlreiche Gespräche mit Musikern, Schriftstellern und Philosophen.