Willkommen in der neuen KlassikWoche,

Was ist, wenn Theater in Deutschland durch Corona nicht weniger, sondern mehr Geld hätten? Und was, wenn sie dieses weitgehend nach persönlicher Gefühlslage verteilen? Ich habe die ganze Woche lang recherchiert, und deshalb ist dieser Newsletter auch etwas komplexer geraten. Ich hoffe, dass er für neue Perspektiven und Diskussionen sorgt. Und keine Angst: Klatsch und Tratsch gibt es natürlich auch! Zum Beispiel über die ménage à trois bei René Kollo.  

FRAGENDE KÜNSTLER – SUCHE NACH ANTWORTEN

Kunstwerk von Joseph Beuys: "Kunst = Kapital"

Nachdem die Oper Frankfurt zur Oper des Jahres gewählt wurde, haben mich mehrere Künstler kontaktiert und gefragt, wie es sein könnte, dass dieses Haus zwar künstlerisch hervorragend sei, in Corona-Zeiten allerdings moralisch versage. Einige Sängerinnen und Sänger haben beklagt, dass Frankfurt – anders als die meisten anderen Opernhäuser in Deutschland – Sänger, deren Auftritte aufgrund von Corona abgesagt werden mussten, im Regen stehen lässt. Für Soloselbstständige besonders ärgerlich, da auch die staatliche Hilfe nicht greift (gerade haben die Grünen ein Alternativ-Programm vorgestellt). Künstler, mit denen keine Ersatz-Aufführungen gefunden werden konnten (oder wollten), bekamen in Frankfurt 0% (NULL PROZENT!) Kompensation. Zugleich erklärte Intendant Bernd Loebe in mehreren Stellungnahmen, freie Künstler hätten zwar mehr Freiheiten, müssten aber auch mehr Risiko tragen. Ich habe diese Woche ein wenig herumgefragt.

Und da das Thema etwas komplexer ist, habe ich es in mehrere Recherche-Erkenntnisse aufgeteilt. Eine Grundfrage ist: Haben Theater durch die Corona-Krise eigentlich weniger Geld zur Verfügung oder mehr? Und wie gehen sie mit ihren Geldern um? Da viele Künstler vom Vorbild-Charakter des Theaters Bremen in Sachen Kompensation geschwärmt haben, war es mein erster Ansprechpartner. 

MEHR GELD DURCH CORONA? – BEISPIEL BREMEN

Haben die Theater und Opernhäuser in Deutschland durch Corona mehr Geld?

Ich wollte vom Geschäftsführer des Theaters Bremen, Michael Helmbold, wissen, ob ich mit meiner Milchmädchenrechnung und dem Gedanken, dass subventionierte Theater durch Corona über mehr Geld verfügen könnten, vollkommen falsch liege: Orchester, Ensemble und Administration sind in Bremen zum großen Teil in Kurzarbeit geschickt worden. Die Gagen des Theaters Bremen wurden also vom Staat übernommen. Gleichzeitig gab es (da Intendant Michael Börgerding den Spielbetrieb weitgehend eingestellt hat) natürlich auch keine Erlöse durch Ticketeinnahmen. Trotzdem wurden die staatlich zugesicherten Subventionen weiter überwiesen. Verfügt ein subventioniertes Theater, das gar nicht spielt, am Ende etwa über mehr Geld als ein Theater, das regulär spielt und neben den festen Gagen auch freie Künstler und andere Aufführungskosten zahlen muss? Wieso habe ich nie über eine solche Rechnung gelesen? Zu meiner Überraschung hat Bremens Geschäftsführer meine Überlegungen nicht korrigiert, sondern mit folgenden Worten bestätigt: „Einerseits hatten wir deutliche Einnahmeausfälle, andererseits wurden die Personalkosten durch das Kurzarbeitergeld reduziert bei weiter laufenden Zuwendungen – das eröffnete uns Handlungsoptionen.“ 

Außerdem wollte ich von Herrn Helmbold wissen, wie es Bremen gelungen ist, seine Gäste fair auszuzahlen. Hier seine Antwort: „Wir haben mit Unterstützung des Kulturressorts die Entscheidung getroffen, alle verbindlich verabredeten Proben und Vorstellungen komplett bzw. anteilig auszuzahlen, aufgrund der prekären Situation vor allem von Solokünstlern, die von einem auf den anderen Tag ohne Engagements dastanden. Dies schien uns ein Gebot der Fairness und sozial angemessen, aber auch eine Frage der Vertragstreue, da der Ausfall ja nicht seitens der Künstler zu vertreten war. Dabei haben wir uns orientiert an dem zwischen Bühnenverein und den Künstlergewerkschaften geschlossenen Tarifvertrag Covid für NV Bühne, der das Mittel der Kurzarbeit für Gäste vorsieht. (…)“ Die große Frage war jetzt: Warum ist das an anderen Häusern nicht möglich?

GUTSHERRENART? – DAS BEISPIEL FRANKFURT

Nicht alle Häuser haben so üppig kompensiert wie Bremen – aber fast alle haben inzwischen Einigungen erzielt. Die Berliner Häuser stellten gemeinsam einen Kompensations-Katalog vor, in München musste Intendant Nikolaus Bachler zunächst einmal den Gegenwind aus der Politik bekämpfen, bevor auch er – als einer der letzten – immerhin mit einer 25-Prozent-Regelung um die Ecke kam. Tatsächlich war es in einigen Ländern nicht klar, ob die Häuser frei über die Subventions-Gelder verfügen dürfen. Das war in Hessen allerdings nicht das Problem. Intendant Bernd Loebe beschloss mit einigen Künstlern Ersatz-Termine, aber wenn die nicht gefunden wurden (oder gefunden werden sollten), ignorierte Frankfurt Kompensationen und bot auch keine Auflösungsverträge an. Auch Bernd Loebe habe ich angeschrieben und wollte wissen: 1.) Warum gibt es – auch in Fällen, bei denen es keine Einigung auf Ersatz-Auftritte gibt – an der Oper Frankfurt so gut wie keine Ausfallzahlungen? 2.) Erwarten Sie von Künstlern, mit denen es keine Einigung auf Ersatz-Auftritte gibt, auf 100 Prozent der vereinbarten Gage zu verzichten? 3.) Warum hat die Oper Frankfurt keine transparente Lösung für die Kompensationen gestrichener Aufführungen geschaffen, sondern regelt die Dinge eher nach Gutsherrenart? 4.) Versteht Herr Loebe, dass seine öffentlichen Äußerungen zu Kompensationszahlungen und zur Corona-Krise unter Künstlern zum Teil für Irritationen sorgen? Außerdem habe ich auch die Oper Frankfurt gebeten, Stellung zur Gewinn-Verlust-Rechnung in Corona-Zeiten zu beziehen. Zwei Tage später ließ mir die Presseabteilung der Oper die (Achtung!) „Gedanken des Herrn Loebe zu Ihren Fragen“ zukommen. Hier Auszüge (die gesamten „Gedanken des Herrn Loebe“ am Ende des Newsletters als Fußnote):

Die Zahl von Gastkünstlern, für die wir kein Ersatzangebot schaffen konnten (…), ist sehr klein. In den Gastverträgen ist das Vorgehen im Fall von höherer Gewalt klar geregelt und die Konsequenzen bei Vertragsschluss per Unterschrift akzeptiert. Das Risiko im Falle höherer Gewalt liegt keinesfalls vollständig auf Seiten des Gastkünstlers. Das Theater trägt in diesem Falle verschiedene andere Risiken, wenn eine Produktion nicht stattfinden kann. (…) Die Oper Frankfurt wird keineswegs – wie Sie es formulieren – in „Gutsherren-Art“ geführt, sondern sie vergleicht täglich verschiedene Interessen und versucht, diese zusammenzuführen. (…) Die Krise ist leider noch lange nicht ausgestanden und im Moment ist völlig unklar, welche Auswirkungen sie auf die Kulturinstitutionen haben wird. (…) Wenn wir also für das Überleben der Oper Frankfurt kämpfen, tun wir dies nicht zuletzt auch im Interesse der freien Künstler, die sich zwar nicht fest an eine Institution binden wollen, aber auf deren Existenz angewiesen sind. Bernd Loebe, Intendant der Oper Frankfurt“. Man könnte auch sagen: Der Frankfurter Intendant denkt gar nicht daran, Ausfälle zu kompensieren, über die Finanzlage seines Hauses in Zeiten von Corona schweigt er sich aus – seine Argumentation: Er müsse das große Ganze über die Interessen des Einzelnen stellen.   

FEISTER FREISTAAT ODER DREISTES DRESDEN?

Während der Recherche haben mich auch Anrufe von Künstlerinnen und Künstlern erreicht, die Verträge an der Semperoper in Dresden hatten. Während Häuser wie die Staatsoper in Hamburg pragmatisch gehandelt haben und zum Beispiel fest angestellte Sänger (die eh ein Gehalt bekommen) entlasteten, um sie durch freischaffende Gäste zu ersetzen, scheint Dresdens Intendant Peter Theiler den Ruf des Hardliners zu genießen: keine Ausfallzahlungen, Unflexibilität bei Spielplanänderungen und so gut wie kein aktives Lösungs-Interesse seitens der Intendanz. In einem Brief an die Haus-Gäste, der mir vorliegt, übte die Dresdner Theaterleitung zunächst seitenlanges Eigenlob, bevor sie ihre Hände in Unschuld wusch. Peter Theiler schiebt den Schwarzen Peter an die sächsische Landesregierung weiter und stilisiert sich zum Kämpfer für Gerechtigkeit: „Die Theaterleitung setzt sich nach wie vor beim Träger dafür ein, die Auszahlung eines anteiligen Ausfallhonorars zu ermöglichen. Beachten Sie dabei bitte, dass wir als rechtlich unselbständiger Staatsbetrieb nach dem sächsischen Haushaltsrecht hierzu die Zustimmung des Trägers benötigen.“ Was hier verwundert: Andere sächsische Betriebe haben anteilige Kompensationszahlungen durchaus geleistet, und Künstlerinnen und Künstler, die mit juristischem Beistand nach Dresden kamen und mit Klagen gedroht haben, sollen inzwischen sehr wohl in Zahlungs-Verhandlungen stehen. Die Frage ist: Warum gelingen Semperoper und Freistaat nicht, was Berlin längst vorgemacht hat – ein politisch abgesegneter, transparenter Plan für den Umgang mit der komplexen Situation? Was viele Künstler irritiert, ist die fehlende Empathie, mit der die Semperoper ihnen gegenüberzutreten scheint. Über weitere Berichte in dieser Sache würde ich mich sehr freuen, da diese Recherche uns wohl auch nächste Woche noch verfolgen wird.        

KOLLOS LIEBES-TRIO: TRISTAN, MARKE UND ISOLDE

René Kollo und seine Ménage à trois auf Mallorca

Wir brauchen jetzt etwas Schönes! Also blättern wir Mal durch die „BUNTE“. Und die freut sich darüber, dass Tenor René Kollo inzwischen eine glückliche Ehe zu dritt pflegt. „Wenn es eine große Liebe gab in meinem Leben, dann ist das natürlich Beatrice. Diese Liebe hat nie aufgehört, obwohl wir geschieden und sie wieder verheiratet ist“, erklärte Kollo der Zeitschrift – inzwischen lebt er mit Beatrice und ihrem neuen Mann Norbert in seiner Finca auf Mallorca. Liebe Grüße, René Kollo – und alles Gute!

NAWALNY: EINREISEVERBOT FÜR GERGIEV

Valery Gergiev, ein Vertrauter von Vladimir Putin: Sollen die EU-Länder ihm die Einreise verbieten?

Der russische Oppositionsführer Alexej Nawalny hat der Europäischen Union vorgeschlagen, dem Dirigenten und Vladimir Putin-Vertrauten Valery Gergiev die Einreise in die EU-Länder zu verbieten. In einem Interview fordert er, Gergiev unter Druck zu setzen, damit er sich von Putin abwende. Gergiev, Chefdirigent der Münchner Philharmoniker, steht in der Kritik für seine Haltung gegenüber Homosexuellen, weil er sich für die Annexion der Krim aussprach und wegen seines Konzertes in Aleppo. Immer wieder habe auch ich die Intendanz und die Politik in München nach einer Positionierung gefragt. Die Antwort war immer die Gleiche: „Privatsache von Herrn Gergiev, die wir nicht kommentieren.

GRASSIERENDES CORONA

Letzte Woche habe ich an dieser Stelle über die skandalösen Vorfälle an der Oper in Rouen berichtet (die Deutsche Bühne hat das Thema immerhin aufgenommen) – und es scheint, als würde nun der von vielen gefürchtete „Hustende Herbst“ beginnen: Absagen, Verschiebungen und Ausfälle: In Wiesbaden hat es Bühnenarbeiter getroffen, Vorstellungen mussten abgesagt werden, in Danzig bei der „Fidelio“-Produktion von Michael Sturm hat es zahlreiche Chor-Mitglieder und Techniker erwischt – ein Sänger musste hospitalisiert werden. Wir werden uns wohl daran gewöhnen müssen. Umso wichtiger sind Transparenz und Klarheit, um Vertrauen bei Künstlern und Publikum zu schaffen. Auch in England protestieren Musiker immer öfter gegen die Corona-Maßnahmen, einer der Anführer der Kundgebungen ist Dirigent David Hill. Umstritten auch die Pläne des Royal Opera House in Covent Garden, ein Porträt ihres langjährigen Intendanten, David Webster zu versteigern, um Corona-Ausfälle zu kompensieren: Das Bild stammt von David Hockney und soll 18 Millionen Pfund bringen. 

PERSONALIEN DER WOCHE

Lotte de Beer wird neue Intendantin der Volksoper in Wien.

Lotte de Beer wird neue Intendantin der Volksoper in Wien – ich kenne sie nicht, in einer Spontan-Umfrage auf meiner Instagram-Seite begrüßten 75 % die Entscheidung. Interessant: Während die österreichischen Teilnehmer weitgehend jubelten, bleiben die deutschen eher zurückhaltend skeptisch. Tatsächlich hatte de Beer in ihrer Vorstellungs-Pressekonferenz nur wenig Substanzielles zu sagen. Sie will einen starken Musikdirektor holen, die Operette pflegen, und – na klar – die Volksoper soll „ein Theater für das Volk“ sein. +++ Leser der KlassikWoche wussten es schon früher – nun ist es auch offiziell: Dirigent Andris Nelsons verlängert seinen Vertrag in Leipzig bis 2027, den in Boston bis 2025. +++ Pianist Rudolf Buchbinder wird mit dem OPUS KLASSIK für sein Lebenswerk geehrt. Gratulation, und die Eigenwerbung, in seinem aktuellen Buch zu schmökern („Der letzte Walzer“), das wir gemeinsam mit großer Leidenschaft geschrieben haben. +++ Kollege Bernd Feuchtner beschreibt in seinem neuen Buch die 100 Meisterwerke der Oper des 20. Jahrhunderts. Ein kluges Plädoyer für neueres Repertoire! +++ Dirigent Franz Welser-Möst und sein Cleveland-Orchestra haben nun ein eigenes Plattenlabel, mit dem sie sich unabhängig machen und ihre Musik vermarkten. +++ Er war eine Stimme der Klassik: Herbert Feuerstein hat Klassik-Konzerte moderiert und ist als junger Student vom Mozarteum in Salzburg geflogen, weil er die Kompositionen des Direktors, Bernhard Paumgartner, kritisiert hat. Sein freier Geist inspiriert mich jede Woche aufs Neue – einen Nachruf hat er sich selbst gemacht.  

WAS AUF DIE OHREN MIT MARLIS PETERSEN

Nennt man das einen „zweiten Frühling“? Ihre Paraderolle, die Lulu von Alban Berg, hat sie längst abgelegt, und eigentlich hatte Marlis Petersen bereits alles erreicht – aber die Sopranistin scheint noch einmal richtig durchzustarten: Sängerin des Jahres, OPUS KLASSIK, Schallplattenpreis – und Giga-Erfolge mit ihrer Trilogie „Dimensionen des Seins“. Fast zwei Stunden lang reden wir beim Frühstück über ihren Vater, der im Krieg das Töten erlebt hat, über ihre heimlichen Rock-Exkurse, das Vorsingen bei Cats, das Geheimnis von Dirigent Kirill Petrenko, darüber, wie sie sich auf den letzten Lulu-Schrei in New York vorbereitet hat und was sie als Wahl-Griechin über die europäische Flüchtlingskrise denkt. Und natürlich geht es darum, wie wir in dieser chaotischen Zeit alle Sinne behalten – und Sinnlichkeit erreichen.

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Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Zuhören, außerdem freue ich mich sehr, dass CRESCENDO eine große Netz-Kampagne für diesen Newsletter startet und u.a. Rudolf Buchbinder für uns die Werbetrommel rührt. Wir freuen uns, dass viele von Ihnen regelmäßig, jeden Montag auf die Seite von CRESCENDO.DE gehen und den Wochenbericht anklicken. Noch leichter ist es, sich einfach für den Newsletter anzumelden – dann bekommen Sie die KlassikWoche jeden Montag kostenlos per Mail zugeschickt. Wenn Sie schon dabei sind, und Ihnen unser Bulletin gefällt, dürfen Sie das natürlich auch gern weitersagen:-)

In diesem Sinne: Halten Sie die Ohren steif!

Ihr

Axel Brüggemann

brueggemann@crescendo.de

P.S: UND HIER NOCH DIE GANZEN GEDANKEN DES HERRN LOEBE:

Die Zahl von Gastkünstlern, für die wir kein Ersatzangebot schaffen konnten oder die unsere Ersatzangebote nicht annehmen wollten, ist sehr klein. In den Gastverträgen ist das Vorgehen im Fall von höherer Gewalt klar geregelt und die Konsequenzen bei Vertragsschluss per Unterschrift akzeptiert. Das Risiko im Falle höherer Gewalt liegt keinesfalls vollständig auf Seiten des Gastkünstlers. Das Theater trägt in diesem Falle verschiedene andere Risiken, wenn eine Produktion nicht stattfinden kann. Gemeint sind Ausgaben für die Anfertigung von Bühnenbild und Kostümen sowie für die Erstellung des Regiekonzeptes etc. All diese Kosten werden nicht ersetzt, gar nicht zu reden von den ausbleibenden Einnahmen, wenn Vorstellungen nicht stattfinden können.

Die Oper Frankfurt wird keineswegs – wie Sie es formulieren – in „Gutsherren-Art“ geführt, sondern sie vergleicht täglich verschiedene Interessen und versucht, diese zusammenzuführen. Die Komplexität der Fragen ist enorm, auch unter der Berücksichtigung der Erwartungen aus dem Aufsichtsrat. Das Thema Corona erschöpft sich keineswegs in der Frage der Auszahlung einer Gage. Die Krise ist leider noch lange nicht ausgestanden und im Moment ist völlig unklar, welche Auswirkungen sie auf die Kulturinstitutionen haben wird. Es muss aber im Interesse aller Künstler sein, dass diese Institutionen auch in Zukunft weiter bestehen. Ohne ein Publikum, das nur in kleinen Schritten wieder zu einer „Normalität“ des Theaterbesuchs herangeführt werden kann, ohne sich steigernde Einnahmen und das sich Annähern an das ehemals geplante Gesamtbudget für eine Saison, besteht für ein Theater/eine Oper nach wie vor ein extrem gefährdeter Ausnahmezustand.

Wenn wir also für das Überleben der Oper Frankfurt kämpfen, tun wir dies nicht zuletzt auch im Interesse der freien Künstler, die sich zwar nicht fest an eine Institution binden wollen, aber auf deren Existenz angewiesen sind.“

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Axel Brüggemann
Axel Brüggemann glaubt, dass Musik das Leben verändern kann. Darüber hat er zunächst bei der WELT am SONNTAG geschrieben, bei der er auch Textchef war. Später schrieb er für die FAS und die Jüdische Allgemeine. Heute ist der ehemalige crescendo-Chefredakteur hauptsächlich fürs Fernsehen tätig: für arte, ZDF und SKY. Für seine Bayreuth-Moderationen wurde er für den Grimme-Preis nominiert. Brüggemanns Dokumentarfilme suchen stets nach dem Zusammenhang von Musik und Mensch.

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