Im Oktober verwandelt der 10. Internationale Joseph Joachim Violinwettbewerb Hannover die Stadt 16 prall gefüllte Tage lang in ein Mekka für talentierte Virtuosen mit Persönlichkeit.

Für Liebhaber exquisiter Geigenkunst lohnt sich im Oktober ein Ausflug nach Hannover. 16 Tage lang dreht sich beim 10. Internationalen Joseph Joachim Violinwettbewerb Hannover alles um das formvollendete Instrument mit dem warm singenden Ton. In verschiedenen Wettbewerbsrunden werden herausragende Geigerinnen und Geiger aus aller Welt ein vielseitiges Repertoire präsentieren. Der Gewinner erhält neben dem Preisgeld von 50.000 Euro für drei Jahre eine Guadagnini-Geige als Leihgabe der Fritz Behrens Stiftung, verschiedene Debütkonzerte und eine Album-Einspielung, die weltweit vertrieben wird – ein beachtliches Paket zum Start einer internationalen Karriere, wie sie unter anderem die Preisträger Nemanja Radulović, Robert Chen oder Antje Weithaas erreichen konnten.

Der Gewinner erhält neben dem Preisgeld von 50.000 Euro für drei Jahre eine Guadagnini-Geige“

Der Joseph Joachim Violinwettbewerb findet seit 1991 alle drei Jahre unter der künstlerischen Leitung von Prof. Krzysztof Wegrzyn in Hannover statt und zählt zu den wichtigsten und höchst dotierten Wettbewerben für Violine weltweit. Veranstaltet von der Stiftung Niedersachsen, ist er den vielen Facetten der Kunst des Geigenspiels und dem mannigfaltigen Repertoire gewidmet, das für dieses Instrument bis heute komponiert wurde. Dabei stehen sowohl solistische als auch kammermusikalische und sinfonische Werke auf dem Programm. Entsprechend vielseitig sind die Teilnehmer gefordert. Erstmals seit Bestehen des Wettbewerbs werden sich die besten sechs Teilnehmer 2018 in zwei Finalrunden beweisen – zum einen als Primaria oder Primarius in einem Streichquintett von Mozart oder Beethoven an der Seite des renommierten Kuss Quartetts, zum anderen mit einem frei gewählten Konzert für Violine und Sinfonieorchester, begleitet durch die NDR Radiophilharmonie unter Leitung von Andrew Manze.

Die Vorauswahl durch die Jury wurde bereits getroffen. Insgesamt 39 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Alter zwischen 16 und 27 Jahren aus 16 Nationen sind eingeladen, im Oktober in Hannover ihr Bestes zu geben. Auch was ihre Betreuung vor Ort anbelangt, hat der hochkarätige Wettbewerb in vielerlei Hinsicht Maßstäbe gesetzt und spannende und innovative Konzepte eta­bliert. So haben die Teilnehmer etwa die Möglichkeit, vor der ersten Bewertung bereits zweimal vor Publikum zu spielen, um sich an die Atmosphäre zu gewöhnen. Zudem werden sie in Gastfamilien untergebracht, damit sie sich zwischen den anspruchsvollen Wettbewerbsrunden bestmöglich erholen können.

Großes Talent, packende Virtuosität und eine überzeugende Persönlichkeit – das sind die Hauptzutaten“

Der Namensgeber des Wettbewerbs Joseph Joachim war eine der wichtigsten Künstlerpersönlichkeiten des 19. Jahrhunderts. Joachim, der als Konzertmeister in Hannover wirkte und von dort aus seine internationale Karriere startete, war ein ebenso brillanter Virtuose wie begnadeter Musikant. 1831 in Kittsee bei Pressburg geboren, machte der begabte Geiger bald von sich reden. So brachte der erst Zwölfjährige 1844 unter der Leitung von Mendelssohn in London das lange in Vergessenheit geratene Violinkonzert von Ludwig van Beethoven zur Aufführung – ein großer Erfolg, an den viele weitere anknüpften. Nicht ohne Grund standen Komponisten wie Schumann, Dvořák oder Brahms in engem Austausch mit Joachim und widmeten ihm ihre Violinkonzerte. Gleichwohl Joachim über eine beeindruckende Technik verfügte, prägte er ein neues künstlerisches Ideal. So schrieb der Musikforscher Wilhelm Joseph von Wasielewski: „Joachim will nicht Virtuose im herkömmlichen Sinne, er will Musiker vor allen Dingen sein.“

Dieses Verständnis prägt auch den Wettbewerb, der Musikerpersönlichkeiten sucht, deren Ausdruckskraft und Interpretationsgabe weit über rein technisches Können hinausreicht. Großes Talent, packende Virtuosität und eine überzeugende Persönlichkeit – das sind die Hauptzutaten, die es braucht, um im Joseph Joachim Violinwettbewerb Erfolg zu haben, ergänzt durch starke Nerven und die nötige Portion Selbstvertrauen, um über fünf Runden hinweg eine konstante Leistung abrufen zu können. Noch laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren, doch schon jetzt ist sicher: Auch 2018 verspricht der Wettbewerb wieder das zu werden, was er bei den vergangenen neun Mal bereits unter Beweis stellte – eine Liebeserklärung an die Geige und eine große Chance für die talentiertesten Musiker unserer Generation.

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All jenen, die es im Oktober nicht nach Hannover schaffen, bleibt ein Trost: Der komplette Wettbewerb von den ersten Vorrunden bis zum krönenden Finale wird via Livestream im Internet übertragen.n

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Dorothea Walchshäusl
Dorothea Walchshäusl ist Musikjournalistin und promovierte Politologin. Sie lebt und arbeitet in Passau. Den Mensch im Blick, die Musik im Ohr und das Gefühl in den Fingerspitzen, fasziniert die freie Autorin all das, was die Menschen im Kleinen wie im Großen bewegt und berührt. Für crescendo schreibt sie seit 2014 und erforscht in ihren Porträts und Reportagen mit Leidenschaft, warum sich Menschen mit Haut und Haar der Musik verschreiben.

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