Das Schwetzinger Mozartfest feiert im Ambiente der barocken Schlossanlage von 24. September bis 10. Oktober 2021 seinen Namensgeber mit dessen experimenteller Kammermusik und einer Uraufführung von Christian Jost. 

Mit Mozarts Klarinettenkonzert eröffnet das Schwetzinger Mozartfest seine Saison. Nikolaus Friedrich ist mit seiner Bassklarinette Solist in jener Komposition, die als einzige von Mozarts Werken für dieses Instrument auf uns kam. Das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim unter Johannes Moesus spielt im sogenannten Rokokotheater, dem ältesten erhaltenen Rangtheater weltweit, Mozarts Quartette, zu denen dieser sich auf seiner dritten Italienreise von dem Mailänder Komponisten Giovanni Battista Sammartini inspirieren ließ.

Spunicunifait
Widmet sich Mozarts späten Streichquintetten: das Ensemble Spunicunifait
(Foto: © Dominic Colchester)

Die Reihe der Kammerkonzerte hebt an mit dem Van Baerle Trio. Der Pianist Hannes Minnaar, die Geigerin Maria Milstein und der Cellist Gideon den Herder widmen sich mit dem Klaviertrio G‑Dur KV 496 einem besonderen Werk im Schaffen Mozarts. Bereits das Autograf mit seinen zahlreichen Streichungen und Korrekturen zeigt, wie Mozart mit diesem Trio, das er ursprünglich als Sonate konzipiert hatte, etwas Neues versuchte. Ganz Mozarts Streichquintetten hingegeben, bringt das Ensemble Spunicunifait die drei großen späten Streichquintette vier, fünf und sechs zur Aufführung.

Philipp Schupelius
Der Cellist Philipp Schupelius
(Foto: © Thomas Raggam)

Veranstaltet wird das Schwetzinger Mozartfest von der 1969 gegründeten Mozartgesellschaft Schwetzingen. Ausdrückliches Ziel der Gesellschaft ist die Förderung des Nachwuchses. Im vergangenen Jahr mussten die Konzerte der Stipendiaten der Jürgen-Ponto-Stiftung, der Geigerin Morgane Voisin, der Cembalistin Charlotte Stickel und des Cellisten Philipp Schupelius mit dem Philharmonischen Orchester Heidelberg aufgrund der Pandemie entfallen. In diesem Jahr hofft man, sie nachholen zu können. Dasselbe gilt für die Aufführung von Mozarts Don Giovanni des Theaters Plauen-Zwickau, die man mit Freude und Hoffnung erwartet.

Marianna Shirinyan
Zu Gast mit einem Soloabend: die Pianistin Marianna Shirinyan
(Foto: © Nicolaj Lund)

Die originelle Sonate KV 545, die Mozart in den eigenhändigen Katalog seiner Werke mit der Bezeichnung „Eine kleine klavier Sonate für anfänger“ eintrug, steht auf dem Programm eines Soloabends der Pianistin Marianna Shirinyan im Jagdsaal des Schlosses. Und mit Mozarts Fugen gastiert das Ensemble Audace des Geigers Maximilian Junghanns, des Bratschers Alexander Petersen und der Cellistin Eun-Ae Junghanns in der Schlosskapelle.

Nikolaus Friedrich
Bringt die neue Komposition von Christian Jost zur Uraufführung: der Klarinettist Nikolaus Friedrich
(Foto: © Jeannette Pitkevica)

Auf dem Programm steht jedes Jahr auch eine Neukomposition. In diesem Jahr stammt das Auftragswerk für Bassklarinette und Streichquartett von Christian Jost. Organisches Fließen strebt Jost nach eigenem Bekunden mit seinen Kompositionen an. Angeregt vom Jazz, entwirft er aus einer musikalischen Keimzelle eine Struktur, die sich gleichsam aus eigenem Wachsen fortentwickelt. Solist der Uraufführung ist wieder Nikolaus Friedrich, der diesmal mit dem Vogler Quartett spielt.

Quatuor Zaide
Zeigt den experimentellen Mozart: das Ensemble Quatuor Zaïde
(Foto: © Kaupo Kikkas)

Und zum Abschluss wird abermals Mozarts experimenteller Zugang zum Streichquartett hörbar. Die beiden Geigerinnen Charlotte Maclet und Leslie Boulin Raulet, die Bratschistin Sarah Chenaf und die Cellistin Juliette Salmona vom Ensemble Quatuor Zaïde spielen im Jagdsaal das Streichquartett G‑Dur KV487, mit dem Mozart das Experimentierfeld Streichquartett beeindruckend ausdehnte.

Weitere Informationen zum Schwetzinger Mozartfest unter: www.mozartgesellschaft-schwetzingen.de 

Fotos: Wolfgang Schmidt-Ammerbuch

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Das „flüchtige Ereignis“ in crescendo anzukündigen, ist die Aufgabe von Dr. Ruth Renée Reif: Als Erleben-Redakteurin spürt sie mit detektivischem Eifer packende, hören- und sehenswerte Veranstaltungen für uns auf. Dr. Ruth Renée Reif studierte in Wien Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte und ist seit ihrer Promotion 1987 in München als freie Journalistin und Publizistin tätig. Zu ihren Veröffentlichungen zählen eine Biografie über die Sängerin Karan Armstrong, ein historisches Porträt der Stuttgarter Philharmoniker sowie zahlreiche Gespräche mit Musikern, Schriftstellern und Philosophen.

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