Die­se Cop­pé­lia ist ein biss­chen wie eine Ope­ret­te“, erläu­tert Lui­gi Boni­ni, der Bal­lett­meis­ter des Baye­ri­schen Staats­bal­letts. Cop­pé­lia ist eine Bal­lett­pan­to­mi­me. Arthur Saint-Léon cho­reo­gra­fier­te sie, und Léo Deli­bes schrieb die Musik dazu. Die Hand­lung basiert auf E.T.A. Hoff­manns Erzäh­lung Der Sand­mann. 1870 hat­te das Bel­lett an der Pari­ser Oper Pre­mie­re und wur­de zu einem Klas­si­ker. Zahl­los sind die Fas­sun­gen, die in der Fol­ge ent­stan­den. 1975 schuf Roland Petit eine (Foto oben: © Anna Klyush­ki­na) für das Bal­lett von Mar­seil­le.

Roland Petit im Jahr 2009 (Foto: © Thomas Peter Schulz) 
ANZEIGE



Petit wur­de 1929 in Vil­le­mom­ble gebo­ren. Nach Enga­ge­ments an der Pari­ser Oper und ers­ten Cho­reo­gra­fi­en für das Pari­ser Théât­re Sarah Bern­hardt wur­de er Solo­tän­zer und Cho­reo­graf der Bal­lets des Champs-Ély­sées, ehe er 1948 sein ers­tes eige­nes Ensem­ble, Les Bal­lets de Paris de Roland Petit, grün­de­te. In sei­nen bis heu­te berühm­ten Cho­reo­gra­fi­en die­ser Zeit wie Le Jeu­ne Hom­me et la Mort, Car­men, mit sei­ner spä­te­ren Frau Zizi Jean­mai­re in der Titel­par­tie und Le Loup setz­te er sich mit The­men wie Selbst­mord und Exis­ten­zia­lis­mus aus­ein­an­der, für die er aus dem Bal­lett­vo­ka­bu­lar eine eige­ne Spra­che mit abrupt wech­seln­den Bewe­gun­gen und Akro­ba­tik schuf. Sei­ne Tän­zer soll­ten schau­spie­le­ri­sche Fähig­kei­ten zei­gen.

Immer wie­der arbei­te­te Petit mit ande­ren Künst­lern zusam­men. Hen­ri Dutil­leux und Mar­cel Lan­dow­ski schrie­ben Musik für sei­ne Cho­reo­gra­fi­en, Max Ernst und Pablo Picas­so ent­war­fen Büh­nen­bil­der, Chris­ti­an Dior und Yves Saint Lau­rent zeich­ne­ten Kos­tü­me und Jean Anouilh ver­fass­te Libret­ti. Mit sei­ner Bega­bung für die Cho­reo­gra­fie von Musi­cals lan­de­te Petit schließ­lich in Hol­ly­wood. Mit Zizi Jean­mai­re pro­du­zier­te er über 60 Shows. Von 1970 bis 1975 bespiel­te er mit dem Casi­no de Paris sogar ein eige­nes Revue­thea­ter. 1972 grün­de­te er zudem das Bal­lett von Mar­seil­le, das er bis 1997 lei­te­te und zu inter­na­tio­na­lem Tri­umpf führ­te, der weit über Frank­reich hin­aus­reich­te.

Szenenfoto aus Roland Petits „Coppélia“-
Choreografie (Foto: © Oleg Chernous)

Petit streb­te nach einer Ver­bin­dung von klas­si­schem Bal­lett und moder­nem Aus­drucks­tanz. Er war selbst eine gla­mou­rö­se Per­sön­lich­keit, und er ließ sei­ne Tän­zer in ihren Bewe­gun­gen immer beson­ders gut aus­se­hen. So zeich­nen Witz und Ele­ganz, Humor und Raf­fi­nes­se sei­ne Bal­let­te aus. Zudem war er als Cho­reo­graf ein begna­de­ter Geschich­ten­er­zäh­ler. Die Hand­lung von Cop­pé­lia ver­leg­te er in eine Gar­ni­son Ende des 19. Jahr­hun­derts. Dr. Cop­pé­li­us möch­te sei­ne Holz­pup­pe Cop­pé­lia zum Leben erwe­cken, wor­auf­hin Franz, der eigent­lich mit Swa­nil­da ver­lobt ist, sich in die höl­zer­ne Täu­schung ver­liebt.

Wei­te­re Auf­füh­run­gen: 22., 25. und 26. Okto­ber 2019, 8. und 17. April 2020., 27. Mai 2020 und 6. Juli 2020
Und Infor­ma­tio­nen: www.staatsoper.de/staatsballett.html

Vorheriger ArtikelDemut und Draufgängertum
Nächster ArtikelHerausragende handwerkliche Ausführung
Ruth Renée Reif
Das „flüchtige Ereignis“ in crescendo anzukündigen, ist die Aufgabe von Ruth Renée Reif: Als Erleben-Redakteurin spürt sie mit detektivischem Eifer packende, hören- und sehenswerte Veranstaltungen für uns auf. Ruth Renée Reif studierte in Wien Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte und ist seit 1987 in München als freie Journalistin und Publizistin tätig. Zu ihren Veröffentlichungen zählen eine Biografie über die Sängerin Karan Armstrong, ein historisches Porträt der Stuttgarter Philharmoniker sowie zahlreiche Gespräche mit Musikern, Schriftstellern und Philosophen.

Artikel kommentieren

Please enter your comment!
Please enter your name here