Am 20. Oktober 2019 hat am Münchner Nationaltheater Roland Petits Choreografie „Coppélia“ Premiere.Witz und Eleganz

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Diese Coppélia ist ein bisschen wie eine Operette“, erläutert Luigi Bonini, der Ballettmeister des Bayerischen Staatsballetts. Coppélia ist eine Ballettpantomime. Arthur Saint-Léon choreografierte sie, und Léo Delibes schrieb die Musik dazu. Die Handlung basiert auf E.T.A. Hoffmanns Erzählung Der Sandmann. 1870 hatte das Bellett an der Pariser Oper Premiere und wurde zu einem Klassiker. Zahllos sind die Fassungen, die in der Folge entstanden. 1975 schuf Roland Petit eine (Foto oben: © Anna Klyushkina) für das Ballett von Marseille.

Roland Petit im Jahr 2009 (Foto: © Thomas Peter Schulz) 

Petit wurde 1929 in Villemomble geboren. Nach Engagements an der Pariser Oper und ersten Choreografien für das Pariser Théâtre Sarah Bernhardt wurde er Solotänzer und Choreograf der Ballets des Champs-Élysées, ehe er 1948 sein erstes eigenes Ensemble, Les Ballets de Paris de Roland Petit, gründete. In seinen bis heute berühmten Choreografien dieser Zeit wie Le Jeune Homme et la Mort, Carmen, mit seiner späteren Frau Zizi Jeanmaire in der Titelpartie und Le Loup setzte er sich mit Themen wie Selbstmord und Existenzialismus auseinander, für die er aus dem Ballettvokabular eine eigene Sprache mit abrupt wechselnden Bewegungen und Akrobatik schuf. Seine Tänzer sollten schauspielerische Fähigkeiten zeigen.

Immer wieder arbeitete Petit mit anderen Künstlern zusammen. Henri Dutilleux und Marcel Landowski schrieben Musik für seine Choreografien, Max Ernst und Pablo Picasso entwarfen Bühnenbilder, Christian Dior und Yves Saint Laurent zeichneten Kostüme und Jean Anouilh verfasste Libretti. Mit seiner Begabung für die Choreografie von Musicals landete Petit schließlich in Hollywood. Mit Zizi Jeanmaire produzierte er über 60 Shows. Von 1970 bis 1975 bespielte er mit dem Casino de Paris sogar ein eigenes Revuetheater. 1972 gründete er zudem das Ballett von Marseille, das er bis 1997 leitete und zu internationalem Triumpf führte, der weit über Frankreich hinausreichte.

Szenenfoto aus Roland Petits „Coppélia“-
Choreografie (Foto: © Oleg Chernous)

Petit strebte nach einer Verbindung von klassischem Ballett und modernem Ausdruckstanz. Er war selbst eine glamouröse Persönlichkeit, und er ließ seine Tänzer in ihren Bewegungen immer besonders gut aussehen. So zeichnen Witz und Eleganz, Humor und Raffinesse seine Ballette aus. Zudem war er als Choreograf ein begnadeter Geschichtenerzähler. Die Handlung von Coppélia verlegte er in eine Garnison Ende des 19. Jahrhunderts. Dr. Coppélius möchte seine Holzpuppe Coppélia zum Leben erwecken, woraufhin Franz, der eigentlich mit Swanilda verlobt ist, sich in die hölzerne Täuschung verliebt.

Weitere Aufführungen: 22., 25. und 26. Oktober 2019, 8. und 17. April 2020., 27. Mai 2020 und 6. Juli 2020
Und Informationen: www.staatsoper.de/staatsballett.html

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Ruth Renée Reif
Das „flüchtige Ereignis“ in crescendo anzukündigen, ist die Aufgabe von Dr. Ruth Renée Reif: Als Erleben-Redakteurin spürt sie mit detektivischem Eifer packende, hören- und sehenswerte Veranstaltungen für uns auf. Dr. Ruth Renée Reif studierte in Wien Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte und ist seit ihrer Promotion 1987 in München als freie Journalistin und Publizistin tätig. Zu ihren Veröffentlichungen zählen eine Biografie über die Sängerin Karan Armstrong, ein historisches Porträt der Stuttgarter Philharmoniker sowie zahlreiche Gespräche mit Musikern, Schriftstellern und Philosophen.

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