KlassikWoche 12/2020

CRESCENDO-Nothilfe: Kultur statt Klopa­pier!

von Axel Brüggemann

16. März 2020

Will­kommen in der neuen Klassik-Woche,

wir lassen uns nicht unter­kriegen – gerade in schweren Zeiten ist Mensch-Bleiben beson­ders wichtig. Machen Sie mit bei unserer Nothilfe für Musiker – außerdem, wie immer: alles, was trotz Corona noch passierte.

MACHEN SIE MIT: MUSIKER-NOTHILFE VON CRESCENDO 

Künstler vor dem exis­ten­zi­ellen Ruin? CRESCENDO will helfen.

Bevor die Kolumne beginnt, hier eine wich­tige Nach­richt in eigener Sache – bitte, machen Sie mit: CRESCENDO hilft Musi­kern in Not: Spen­den­ak­tion für Corona-Absagen

CRESCENDO will frei­schaf­fenden Musi­ke­rinnen und Musi­kern, die sich durch „Corona-Ausfälle“ vor einer exis­ten­zi­ellen Notlage befinden, spontan und kurz­fristig helfen. Ab sofort eröffnen wir bis zum 28. März dafür ein Hilfs-Konto. So wollen wir Musi­ke­rinnen und Musi­kern mit einer maxi­malen Unter­stüt­zung von 500 Euro unter die Arme greifen, damit wenigs­tens die April-Miete gezahlt werden kann.

CRESCENDO füllt das Konto mit 2.000 Euro, der Musik­jour­na­list mit weiteren 1.000 Euro.

Und Sie können auch mitma­chen: Betei­ligen Sie sich zum Beispiel mit dem Betrag, den Ihnen ein Konzert­haus oder ein Theater gerade für eine ausge­fal­lene Vorstel­lung erstattet hat.

Oder schließen Sie bis zum 28. März ein CRESCENDO-Nothilfe-für-Künstler-Abo ab: Die Einnahmen werden eben­falls in voller Höhe gespendet.

Kunst und Kultur sind Formen der Mitmensch­lich­keit – jetzt, da unsere Künstler vor dem Nichts stehen, können wir ihnen etwas zurück­geben!

Betrof­fene Künst­le­rinnen und Künstler können sich bis zum 28. März per Mail an uns wenden und ihre Situa­tion formlos, aber ehrlich beschreiben. Ein Kura­to­rium aus Vertre­tern von CRESCENDO (Winfried Hanuschik/​Heraus­geber, Petra Lettenmeier/​Verlags­lei­terin, Axel Brüggemann/​Kolum­nist), Art But Fair e.V. (Johannes Maria Schatz/​Vorsit­zender ), dem Deut­schen Musikrat (Stefan Piendl/​Geschäfts­führer) und der GEMA (Johannes Everding/​Direk­tion) werden bis zur Ausschüt­tung am 29. März über die Vergabe entscheiden. Die Über­prü­fung der Einnahmen und deren voll­stän­dige Ausschüt­tung bis zum 3. April 2020 wird durch die Wirt­schafts­prü­fungs­kanzlei Enke/​Feil garan­tiert, der wir unsere Konten offen­legen. Alle Betei­ligten erhalten keine Vergü­tung. Die Spenden werden zu 100% an die ausge­wählten Einrei­chungen ausge­schüttet.

So können Sie helfen:

Spenden per Paypal an: Nothilfe@​crescendo.​de

Oder per Bank­über­wei­sung an: Verlag
Verwen­dungs­zweck (unbe­dingt angeben): Nothilfe-für-Künstler
IBAN: DE30 7015 0000 0034 1250 05
BIC: SSKM­DEM­MXXX

Oder als CRESCENDO-Nothilfe für Künstler-Abo: Die gesamten 55 EUR werden gespendet. Alle Kosten für Magazin und über­nimmt der Verlag.

Mail­kon­takt für Künstler in Not: Nothilfe@​crescendo.​de

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Royal Opera House: „Schwa­nensee“ vsl. ab 1. April live im Kino!

Liam Scar­letts herr­liche Insze­nie­rung des Klas­si­kers!
Alle Kinos und Termine: rohki​no​ti​ckets​.de

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VON DER IDEE ZUR TAT

Ich halte es mit Fußball­trainer Jürgen Klopp, der von Jour­na­listen nach Corona gefragt wurde und antwor­tete: Er sei Fußball­trainer und kein Viro­loge. Deshalb hätte er zu Corona nichts zu sagen, außer dass er genauso besorgt sei, wie alle anderen auch. Ansonsten solle man bitte ernst nehmen, was die Regie­rung und die Experten uns raten. Ein Musik­jour­na­list kann ebenso wenig bewerten, welche Maßnahmen nun richtig sind, welche Theater geschlossen werden müssen oder von wie viel Personen eine Vorstel­lung ange­schaut werden kann.

Was wir aber wissen, ist: In Zeiten, in denen einige Leute asoziales Hamster-Verhalten an den Tag legen, sind Kunst und Kultur umso wich­tiger. Die Balkon-Konzerte in Italien (hier mein Lieb­ling) haben es gezeigt: Musik ist eine Möglich­keit zu berühren, ohne einander anzu­fassen! Und noch etwas ist offen­sicht­lich: Kultur­schaf­fende stehen vor einer gigan­ti­schen Krise. All die großen und kleinen Theater und Konzert­häuser, die Veran­stalter und Agen­turen und – natür­lich! – all die Künstler, die ange­stellten und – ganz beson­ders – die frei­be­ruf­li­chen. 

Ich habe mich in den letzten Tagen immer wieder mit dem CRESCENDO-Heraus­geber Winfried Hanu­schik über die Situa­tion unter­halten. Natür­lich haben wir die Peti­tionen gesehen, die derzeit in den sozialen Medien kursieren – Auffor­de­rungen für schnelle staat­liche Hilfen (und sie auch unter­schrieben), wir haben zur Kenntnis genommen, dass die Bundes­re­gie­rung handeln will: mit Steuer-Stun­dungen und dem Verzicht von Rück­zah­lungen bei staat­li­chen Kultur­pro­jekten. Aber wir lesen auch täglich, dass diese Maßnahmen viel­leicht zu spät kommen, für jene Künstler, die unver­hofft vor dem Nichts stehen. Deren Auftritte im März abge­sagt wurden und die nicht wissen, wie sie die Miete Anfang April zahlen sollen. Eine Umfrage auf meinem Insta­gram Profil hat ergeben, dass 75 % die Corona-Krise als ärger­lich empfinden, für 25% aber ist sie exis­ten­ziell. Uns ist klar, dass es Härte­fälle gibt, die unsere SOFOR­TIGE Hilfe brau­chen. Wir danken Ihnen für Ihre Soli­da­rität!

NEUES IN DEN FÄLLEN DOMINGO UND KUHN 

Gustav Kuhn entgeht einer Anklage.

Die Neuig­keiten in zwei #metoo-Fällen fanden diese Woche nur im Wind­schatten von Corona statt. Tatsäch­lich erklärte die Oper in Los Angeles, dass die Frauen, die Tenor sexu­elles Fehl­ver­halten vorge­worfen hätten, glaub­würdig seien. 44 Menschen wurden befragt, 500.000 Doku­mente studiert – das Ergebnis: Domingo soll Frauen auf unter­schied­liche Weise beläs­tigt haben, und diese reagierten mit ganz unter­schied­li­chen Gefühlen. Gleich­zeitig wurde das Ermitt­lungs­ver­fahren gegen den früheren Leiter der Tiroler Fest­spiele in Erl, Gustav Kuhn, einge­stellt. Nicht, weil Kuhn nichts nach­ge­wiesen werden konnte. Die Staats­an­walt­schaft erklärte viel­mehr: „Am Ende bleibt kein Vorfall über, der strafbar, nicht verjährt und beweisbar gewesen wäre.“ 

PAPPANO BEI DEN OSTER­FEST­SPIELEN 2021

Bereits vor einiger Zeit hat Diri­gent ange­kün­digt, dass der desi­gnierte Inten­dant Niko­laus Bachler ihn und sein Orchestra di Santa Cecilia in der Nach-Staats­ka­pelle-Zeit an die Salzach holen will. Jetzt wurde bekannt: Er kommt auch schon früher. 2021 wird Pappano die , die mit als Solistin auftritt, diri­gieren – die Geigerin bekommt den Herbert-von-Karajan-Musik­preis. Außerdem wird Turandot singen, und diri­giert Bachs h‑Moll-Messe.

DEUTSCH­LAND FEHLEN MUSIK­LEHRER

Erst neulich habe ich mich mit dem Diri­genten für ein gemein­sames Buch über musi­ka­li­sche Bildung unter­halten. „Selbst hat begriffen, dass Musik­un­ter­richt wichtig ist“, sagte er, „hier wird Musik geför­dert, weil am Ende gute Inge­nieure, Tüftler und Denker heraus­kommen – um so erstaun­li­cher ist es, wie sehr Deutsch­land hinter diesem offen­sicht­li­chen Wissen hinter­her­hinkt.“ Nun liefert eine neue Studie der Bertels­mann Stif­tung die Zahlen dazu: 24.000 ausge­bil­dete Lehrer fehlen an unseren Grund­schulen, und nur 43% Prozent des Musik­un­ter­richts wird fach­ge­recht gegeben. Meine Kollegin Ruth Renée Reif hat sich die Zahlen mal genauer ange­schaut.

CORONA-STREAMS

Streamen statt spielen – Oper in Zeiten von Corona

Bühnen zu. Konzert­häuser zu. Zuweilen wird trotzdem gespielt: und per Live­stream über­tragen. Regis­seur findet Vorfüh­rungen vor Kriti­kern absurd, der BR fragt nach der Sinn­haf­tig­keit. Inzwi­schen sind die Streams wahr­schein­lich auf Grund der betei­ligten Musiker unver­ant­wort­lich, bislang hatten sie aber die Vorteile, dass die Gagen bezahlt werden mussten, zum anderen kann man so auch zu Hause aktu­elle Kultur genießen, quasi „virtuell live“. Fast alle großen Häuser haben ihre digi­talen Archive geöffnet: Berliner Phil­har­mo­niker, Metro­po­litan Opera, Detroit Symphony Orchestra, Baye­ri­sche Staats­oper, Wiener Staats­oper, Gothen­burg Symphony Orchestra, Wigmore Hall. Beson­ders populär die Klavier­abende jeden Tag um 19:00 Uhr bei Igor Levit. Und über alle anderen Streams infor­mieren die Kollegen von VAN regel­mäßig.

STATT TOILET­TEN­PA­PIER

Pünkt­lich zur Toiletten-Papier-Hams­terei postete ihr Reise-BD und Anna Netrebko ihre neue High-Tech-Toilet­ten­brille

In Deutsch­land und in Öster­reich wurde Toilet­ten­pa­pier gebun­kert. Zwei Sänge­rinnen hat das auf unter­schied­liche Weise beschäf­tigt: Anna Netrebko zeigte auf Insta­gram, wie ihr Mann die neue elek­tro­ni­sche Toilet­ten­brille erkundet (siehe Foto), und Elisa­beth Kulman zeigte auf Face­book stolz ihr Reise-BD. 

DIE KLASSIK-WOCHE IN ZAHLEN

Auch dieses Mal wieder die Statis­tiken der Klassik-Woche, die ich auf meinem Insta­gram-Profil täglich von Montag bis Freitag abfrage.

In diesem Sinne: spitzen Sie die Ohren, und bleiben Sie gesund.

Ihr

Axel Brüg­ge­mann

brueggemann@​crescendo.​de