News | 31.10.2020

Hitch­cock lässt grüßen: Braun­fels« „Die Vögel“ in München

von Redaktion Nachrichten

31. Oktober 2020

Unter unge­wöhn­li­chen Bedin­gungen hat eine Neupro­duk­tion von « „Die Vögel“ an der Baye­ri­schen Staats­oper Première gefeiert. Aufgrund der verschärften Corona-Maßnahmen waren am Sams­tag­abend ledig­lich 50 Zuschauer zuge­lassen. Regie führte , am Pult des Baye­ri­schen Staats­or­ches­ters stand .

"Die Vögel"

„Die Vögel“

Hundert Jahre nach der umju­belten Urauf­füh­rung im Münchner Natio­nal­theater verlegten Castorf und sein Bühnen­bildner Alek­sandar Denić Braun­fels« „lyrisch phan­tas­ti­sches Spiel“ in eine surreal wirkende Umge­bung. Zu sehen war unter anderem ein über­le­bens­großes Foto von Alfred Hitch­cock bei den Dreh­ar­beiten zu seinem Thriller „Die Vögel“. Auch die gleich­na­mige Komödie des antiken Dich­ters Aris­to­phanes, die dem Kompo­nisten als Vorlage diente, handelt von der Macht­er­grei­fung gefie­derter Wesen.

In Braun­fels« Adap­tion über­redet Rate­freund () die Vögel dazu, sich über die Götter zu erheben und eine eigene Stadt zu bauen. Sein Gefährte Hoffegut () entbrennt in schwär­me­ri­scher Liebe zur Nach­ti­gall, verkör­pert von der bril­lanten Sopra­nistin Caro­line Wetter­green. Die Vögel präsen­tieren sich in Kostümen mit Feder­kopf­schmuck, die an die Charleston-Mode der Zwan­zi­ger­jahre erin­nern. In ihrer Macht­gier igno­rieren sie die Warnungen von Prome­theus, gesungen von dem Bariton . Zeus nimmt Rache, das Vogel­reich wird zerstört, und die beiden Menschen kehren in ihre Welt zurück.

Zwei Tage vor der bundes­weiten Schlie­ßung aller Kultur­ein­rich­tungen über­trug die Staats­oper die Première kostenlos als Live­stream. Inten­dant Niko­laus Bachler führte in die Hand­lung ein. Seine Worte wurden von einem Rauschen und Knacken unter­malt, wie man es sonst aus histo­ri­schen Radio­auf­zeich­nungen kennt. In einem Pausen­film lief eine einsame Besu­cherin durch das Haus und nahm im leeren Parkett Platz. In dem Video sang außerdem die Mezzo­so­pra­nistin Noa Beinart unter Leitung von Gustav Mahlers Lied „Ich bin der Welt abhanden gekommen“.

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