Der Komponist Paul-Heinz Dittrich ist tot. Wie die Akademie der Künste am Donnerstag mitteilte, starb er am Montag im brandenburgischen Zeuthen. Mit seinem substantiell-charaktervollen Werk habe er die neuere Musikgeschichte entscheidend mit beeinflusst. Der Komponist wurde 90 Jahre alt.

Paul-Heinz Dittrich (1930-2020)

Paul-Heinz Dittrich (1930–2020)

Dittrich galt als wichtiger Vertreter der avancierten Musik in der DDR. Seit 1983 war er Mitglied der Akademie der Künste der DDR und gestaltete die Vereinigung der beiden deutschen Akademien maßgeblich mit. Dittrich war Gastprofessor unter anderem in Freiburg/Breisgau (1979), Los Angeles (1980) und Tel Aviv (1990) sowie am IRCAM Paris (1984). Bis 1991 bildete er Meisterschüler aus. Von 1990 bis 2002 war er Professor für Komposition an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin.

In instrumentalen, vokalen und szenisch-kammermusikalischen Werken vertonte Dittrich Literatur von Charles Baudelaire, Maurice Maeterlinck, Samuel Beckett, Franz Kafka, James Joyce, Heiner Müller und insbesondere Paul Celan, oft unter Einbezug von Live-Elektronik. 1991 gründete er das Brandenburgische Colloquium für Neue Musik, das er bis 2000 leitete. Seine Werke wurden in vielen europäischen Ländern, Asien und den USA aufgeführt. Zuletzt wurde seine Kammermusik XVII, komponiert 2015, im Oktober 2020 im Dresdner Kulturpalast uraufgeführt.

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