Originell

René Jacobs

René Jacobs übernahm die musikalische Leitung von Sven-Eric Bechtolfs und Julian Crouchs Inszenierung der dramatischen Purcell-Oper King Arthur.

Als außergewöhnlich reichhaltig beschreibt René Jacobs die Musik von Henry Purcell. „Purcell ist so unglaublich originell“, betont er im Gespräch mit dem Dramaturgen der Berliner Staatsoper Detlef Giese. „Es gibt wohl keinen Komponisten der Zeit, der harmonisch so kühn war, der so weit in seiner Klangsprache gegangen ist und der zugleich so genau auf die Texte geachtet hat, die er vertonte.“ Ein genuiner, genialer Theaterkomponist sei Purcell gewesen. Als musikalischer Leiter der Inszenierung von Purcells „dramatick opera“ King Arthur führte Jacobs mit der Akademie für Alte Musik Berlin die Expressivität, Dynamik und den Farbenreichtum von Purcells Musik vor.

Der Kampf der Briten und der Sachsen

King Arthur, dessen Libretto der Dichter John Dryden verfasste, handelt vom Kampf der Briten unter King Arthur und der Sachsen unter König Oswald um die Vorherrschaft. Beteiligt an diesem Kampf, den King Arthur am Ende glorreich gewinnt, sind zahlreiche Zauberer und Fabelwesen. Auch eine Liebesgeschichte um die Befreiung der geraubten schönen blinden Emmeline ist in die Handlung verwoben.

Ferdinand Kraemer als kleiner Junge in Henry Purcells "King Arthur"
Der Junge, verkörpert von Ferdinand Kraemer, vermisst seinen gefallenen Vater, und der Großvater liest ihm die Sage von King Arthur vor.
(Foto: © Ruth und Martin Waltz)

Für die Inszenierung 2017 im Schillertheater, dem Ausweichquartier der Staatsoper Berlin, die jetzt auf DVD und Blue-ray-Disc vorliegt, brachte René Jacobs zusätzliche Musik ein. Sinn der musikalischen Ergänzungen war es, die musikalische Spannung auch während der Sprechdialoge aufrechtzuerhalten. Jacobs verwendete dafür Kammermusik von Purcell wie etwa seine Gambenfantasien und Pavanen. Diese setzte er kontrapunktisch zu den gesprochenen Texten ein.

Traum im Traum

Sven-Eric Bechtolf und Julian Crouch schufen eine Rahmenhandlung um einen kleinen Jungen, der seinen im Zweiten Weltkrieg gefallenen Vater vermisst. Nach einer Geburtstagsfeier erscheint ihm im Traum der Vater als King Arthur. So wurde die Oper in der Inszenierung zu einem Spiel im Spiel, in dem Traum und Realität verschwammen. Mit Hilfe seines Großvaters, der im Traum zum Zauberer Merlin wird, rettet der Vater als King Arthur die Mutter in Gestalt der schönen Emmeline aus der Gewalt des bösen Oswald.

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Meike Droste als schöne Emmeline in Henry Purcells "King Arthur"
Der Junge träumt, und das Spiel nimmt seinen Anfang: Die Mutter des Jungen, dargestellt von Meike Droste, wird zur schönen Emmeline
(Foto: © Ruth und Martin Waltz)

Während die Schauspieler jeweils nur eine Figur darstellten, verkörperten die Gesangssolisten in den fantastischen Kostümen von Kevin Pollard mehrere der Fabelwesen. Mit dem Chor der Staatsoper Berlin formierten sie sich zu einer immer neuen Schar von Geistern, Sirenen und Zauberern. So verkörperte die Sopranistin Anett Fritsch den Luftgeist Philidel, eine Schäferin, eine Nymphe, eine Sirene und Venus. Die Sopranistin Robin Johannsen und der Countertenor Benno Schachtner sangen die rührende kleine Kantate You say tis love. Der Bass Johannes Weisser spielte den Erdgeist Grimbald und sang die Staccato-Arie des Frostgeists.

Michael Rotschopf als King Arthur in der Titelrolle von Henry Purcells Oper
King Arthur, gespielt von Michael Rotschopf, und barocker Bühnenzauber
(Foto: © Ruth und Martin Waltz)

Bechtolf und Crouch brachten das barocke Werk in einer schwungvollen Inszenierung auf die Bühne. Von Tanz über Pantomime, Maskerade und Puppenspiel boten sie das ganze Spektrum der darstellenden Künste auf. Die raffinierten Verwandlungen des von Crouch gestalteten Bühnenbildes ließen die einzelnen Szenen bruchlos ineinander übergehen. Mit Meereswellen aus bewegten blauen Stoffbahnen kam sogar barocker Bühnenzauber zum Einsatz.

Henry Purcell: „King Arthur“, Anett Fritsch, Robin Johannsen, Benno Schachtner, Mark Milhofer, Stephan Rügamer, Johannes Weisser, Arttu Kataja und Schauspieler, Sven-Eric Bechtolf und Julian Crouch, Staatsopernchor, Akademie für Alte Musik Berlin, René Jacobs (BelAir)
Zu beziehen als DVD oder Blu-ray Disc u.a. bei: www.amazon.de

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Ruth Renée Reif
Das „flüchtige Ereignis“ in crescendo anzukündigen, ist die Aufgabe von Ruth Renée Reif: Als Erleben-Redakteurin spürt sie mit detektivischem Eifer packende, hören- und sehenswerte Veranstaltungen für uns auf. Ruth Renée Reif studierte in Wien Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte und ist seit ihrer Promotion 1987 in München als freie Journalistin und Publizistin tätig. Zu ihren Veröffentlichungen zählen eine Biografie über die Sängerin Karan Armstrong, ein historisches Porträt der Stuttgarter Philharmoniker sowie zahlreiche Gespräche mit Musikern, Schriftstellern und Philosophen.

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