Hel­lerau steht als Modell einer Lebens­re­form zu Beginn des 20. Jahr­hun­derts. Auf Anre­gung des Büh­nen­aus­stat­ters Adol­phe Appia erhielt das Fest­spiel­haus in der Gar­ten­stadt kei­ne Guck­kas­ten­büh­ne. Statt­des­sen wur­de ein Raum geschaf­fen, in dem Zuschau­er­be­reich und Spiel­flä­che inein­an­der über­ge­hen. Appia stell­te sich, inspi­riert von dem Cho­reo­gra­fen Émi­le Jaques-Dal­cro­ze, einen lee­ren Raum vor, in dem die Dar­stel­ler durch Hal­tun­gen und Bewe­gun­gen die ers­ten Akzen­te set­zen. Der Büh­nen­be­reich soll­te mit­tels geo­me­tri­scher Kör­per für jede Insze­nie­rung neu gestal­tet wer­den. Die Musik gibt den Rhyth­mus vor, der als eini­gen­des Band die Maß­ver­hält­nis­se regelt. Den emo­tio­na­len Gehalt der Musik drückt das Licht aus, des­sen Gestal­tung der Licht­künst­ler Alex­an­der von Salz­mann über­nahm. Das Fes­ti­val Appia Sta­ge Rel­oa­ded zeigt Per­for­man­ces, Tanz, Musik sowie Aus­stel­lun­gen auf der 2017 rekon­stru­ier­ten Büh­ne. Die Cho­reo­gra­fen und Dar­stel­ler Cin­dy Ham­mer, Joseph Her­nan­dez, Johan­na Rag­gan und Anna Till (Foto) erkun­den in ten­si­on, break, pat­tern, intri­gue (Foto oben, © Ian Wha­len) die Appia-Büh­ne als Ort uto­pi­scher Träu­me. Gezeigt wird ein Werk der Bild­haue­rin Ursu­la Sax, des­sen cho­reo­gra­fi­sche Umset­zung sich aus Tanz­skulp­tu­ren und per­for­ma­ti­ven Objek­ten ent­wi­ckelt. Und die Aus­stel­lung Raum der Visio­nä­re geht anhand von Brie­fen, Zeich­nun­gen und Foto­gra­fi­en den Ein­flüs­sen nach, die Appia, von Salz­mann und Jaques-Dal­cro­ze auf­ein­an­der hat­ten.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen: www.hellerau.org/appia

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Ruth Renée Reif
Das „flüchtige Ereignis“ in crescendo anzukündigen, ist die Aufgabe von Ruth Renée Reif: Als Erleben-Redakteurin spürt sie mit detektivischem Eifer packende, hören- und sehenswerte Veranstaltungen für uns auf. Ruth Renée Reif studierte in Wien Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte und ist seit 1987 in München als freie Journalistin und Publizistin tätig. Zu ihren Veröffentlichungen zählen eine Biografie über die Sängerin Karan Armstrong, ein historisches Porträt der Stuttgarter Philharmoniker sowie zahlreiche Gespräche mit Musikern, Schriftstellern und Philosophen.

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