Die künstlerischen Ensembles des Bayerischen Staatsschauspiels, der Münchner Kammerspiele, des Gärtnerplatztheaters, des Münchner Volkstheaters, der Schauburg sowie der Bayerischen Staatsoper wenden sich in einem Schreiben an den bayerischen Ministerpräsidenten, den bayerischen Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, den Münchner Oberbürgermeister sowie den Kulturreferenten der Stadt München. 

Nachdem, wie in der CRESCENDO KlassikWoche berichtet, die bayerischen IntendantInnen von Staatsoper, Residenztheater, Gärtnerplatztheater, Münchner Kammerspiele und Münchner Volkstheater sowie Gasteig, Theaterakademie und Lustspielhaus (stellvertretend für die freie Szene), außerdem die Intendanten der Staatstheater Augsburg und Nürnberg eine gemeinsame Erklärung abgaben, folgen nun auch die Ensembles mit einem Appell.

Nachfolgend der Text des Schreibens in vollem Wortlaut.

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Söder,
Sehr geehrter Herr Staatsminister Sibler,
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Reiter,
Sehr geehrter Herr Kulturreferent Biebl,

wir sind die künstlerischen Ensembles des Bayerischen Staatsschauspiels, der Münchner Kammerspiele, des Gärtnerplatztheaters, des Münchner Volkstheaters, der Schauburg sowie der Bayerischen Staatsoper. Wir müssen zur derzeitigen Lage Stellung beziehen und wenden uns mit einem dringlichen Appell an Sie.

Theater ist wichtig!

Wir alle nehmen die Corona-Pandemie und den damit verbundenen Wunsch, Maßnahmen einzuleiten, sehr ernst. Die Dringlichkeit der Lage ist uns bewusst. Die bayerischen Theater haben sich in den letzten Monaten bereitwillig engagiert, gewissenhafte und bewährte Hygienekonzepte auszuarbeiten und vorzulegen. Zuschauerräume sind durch kontinuierliche Belüftung und die Hygienekonzepte sicherer als viele andere Orte der Begegnung. Es gibt keine belastbaren Zahlen, die suggerieren, dass Theater Super-Spreader-Ereignisse provoziert hätten. Wir fordern die Politik auf, diese Tatsache zur Kenntnis zu nehmen. Es muss endlich eine Debatte stattfinden.

Theater sind geschützte Räume, in denen soziale und künstlerische Begegnungen stattfinden. Wir verstehen es als unsere Pflicht, unsere Kunst, die eine darstellende ist, weiter auszuüben.

Wir vertrauen auf die Risikoeinschätzungen der ExpertInnen und fordern eine verhältnismäßige Prüfung der jeweiligen Einrichtungen. Es kann nicht darum gehen, möglichst viele Einrichtungen zu schließen, sondern im Gegenteil: möglichst viele Einrichtungen offen und somit am Leben zu halten, zumal sie sich bewährt haben – sogar in wissenschaftlicher Hinsicht. Kulturelle Veranstaltungen zu untersagen, halten wir für falsch. Sie ignorieren damit die Maßnahmen, die die bayerischen Theater seit Monaten einhalten, um einen Zuschauerbetrieb zu ermöglichen.

Wir wollen spielen. Wir müssen spielen! Die MitarbeiterInnen der bayerischen Theater haben bewiesen, dass wir mit der derzeitigen Lage professionell und künstlerisch wertvoll umgehen können. Unsere ZuschauerInnen halten sich an all jene Regeln, die auch im Einzelhandel, der Gastronomie, den Schulen und den Landtagen gelten.

Lassen Sie uns die Menschen in diesen schweren Zeiten weiterhin mit einem vielfältigen Kulturangebot versorgen – und sei es nur für die Dauer eines Abends. Setzen Sie ein Zeichen für die Bevölkerung, dass Ihnen unsere Theater und unser Publikum am Herzen liegen. Wir haben ein Recht auf Kunsträume.

Auf die gesellschaftliche Lage kreativ zu reagieren und Denkanstöße anzubieten, ist unsere Kunst. Eine Kunst, die in diesen Zeiten Halt geben kann und muss.

Herzliche Grüße und bleiben Sie gesund.

Das Ensemble des Bayerischen Staatsschauspiels (Residenztheater)
Das Ensemble der Münchner Kammerspiele
Das Ensemble des Gärtnerplatztheaters
Das Ensemble des Münchner Volkstheaters
Das Ensemble der Schauburg
Das Ensemble und die Solisten der Bayerischen Staatsoper