Die Filmkünstlerin Axinya Gog geleitet in einem kontemplativen Filmtrack mit Musik und Tanz über fünf Stunden lang durch die Eremitage in Sankt Petersburg.

Eremitage in Sankt Petersburg

Blick auf den Winterpalast am Ufer der Newa

Die Museen müssen infolge der Corona-Krise geschlossen bleiben. Die Eremitage in St. Petersburg hat einen besonderen Weg gefunden, dennoch etwas von ihren Räumen und ihren Sammlungen zu zeigen. Sie hat die Filmkünstlerin Axinya Gog mit einem Filmprojekt beauftragt.

Über fünf Stunden in einem Track

Die Filmkünstlerin Axinya Gog

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Lässt sich von dem Spielfilm Russische Arche inspirieren: die Filmkünstlerin Axinya Gog 

Gog ließ sich von dem Spielfilm Russische Arche inspirieren, den Alexander Sukurow 2002 in nur einer einzigen Einstellung im Winterpalais drehte. So verfertigte sie ihren Film, den sie mit einem iPhone 11 pro aufnahm, ebenfalls in einem einzigen Track.

Das Eremitage-Filmprojekt der Filmkünstlerin Axinya Gog

Gefilmt mit einem Smartphone des Unternehmens Apple

Über fünf Stunden bewegt sie sich durch die Räume, schweift über die prächtigen, goldgeschmückten Decken, die kunstvollen Intarsien der Böden und die überreich mit Gemälden behängten Wände.

Mit Musik und Tanz durch die Säle

Komponiert elektronische Musik: MUJUICE

Musik und Tanzeinlagen greifen die Stimmungen der Räume und Kunstwerke auf. Verwendung fanden religiöse Kompositionen von Anton Schwarz, elektronische Kompositionen von Roman V. Litwinow, genannt MUJUICE, und Gabriel Prokofiev sowie Werke der beiden Komponisten und Pianisten Katsuhiro Oguri und Kirill Richter.

Die Jordantreppe in der Eremitage

Tanz auf der Jordantreppe (Filmausschnitt)

Der Film beginnt mit einem Tanz die Jordantreppe hinauf in die Prunkräume des Obergeschosses.

Die Prunkräume

Die Ruhmeshalle in der Eremitage

Heldenverehrung nach Napoleons gescheitertem Russlandfeldzug in der Ruhmeshalle (Filmausschnitt)

In der Ruhmeshalle der russischen Helden des Vaterländischen Krieges, wie Napoleons gescheiterter Russlandfeldzug aus russischer Sicht genannt wurde, lässt sie einen jungen Kadetten auftreten.

Anbetung der Könige von Hugo van der Goes in der Eremitage

Farbenprächtig nach der Restaurierung: das Triptychon „Anbetung der Könige“ von Hugo van der Goes (Filmausschnitt)

Auf einzelnen Prunkstücken der Sammlung verweilt Gog lange wie etwa auf dem Triptychon „Anbetung der Könige“ des flämischen Malers Hugo van der Goes aus dem 15. Jahrhundert, das nach seiner Restaurierung in voller Farbenpracht erstrahlt.

Drei Millionen Kunstobjekte

Elektronischer Komponist Gabriel Prokofiev

Komponist elektronischer Musik: Gabriel Prokofiev 
(Foto: © HLJones)

Die Eremitage zählt zu den größten Kunstmuseen der Welt. Das Gebäudeensemble, das das Eremitage-Theater, die Alte Eremitage, die Kleine Eremitage sowie die dahinter liegende Neue Eremitage umfasst, gehört mit der Sankt Petersburger Innenstadt zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Der Gebäudekomplex der Eremitage

Die Eremitage: das Eremitage-Theater, die Alte Eremitage, die Kleine Eremitage sowie dahinter die Neue Eremitage

Fast drei Millionen Objekte beinhaltet die Sammlung. Rund 65.000 sind in den 350 Sälen zu besichtigen. Darunter befinden sich Werke italienischer, französischer, niederländischer und flämischer Meister.

Rembrandt als Schöpfer anerkannt

Die Kreuzabnahme Christi von Rembrandt

Galt lange als Werk eines unbekannten Meisters Rembrandts „Kreuzabnahme Christi“ (Filmausschnitt)

Von Rembrandt etwa gibt es das berühmte Gemälde der „Danae“ aus dem Jahr 1636 zusehen. Beeindruckend ist die zwei Jahre zuvor entstandene „Kreuzabnahme Christi“. Lange Zeit bestanden Zweifel an der Echtheit des Gemäldes. 2010 bestätigte eine eingehende Untersuchung jedoch Rembrandt als Schöpfer.

Frans Hals in der Eremitage

Kopistin in der Eremitage vor dem Gemälde von Frans Hals (Filmausschnitt)

Frans Hals’ „Porträt eines jungen Mannes mit Handschuhen“ wird gerade kopiert.

Freude an der Jagd nach Kunstwerken

Katharina II. die Große begründete die Sammlung

Legte den Grundstein für die Sammlung: Katharina II., die Große Kaiserin

Die Sammlung der Eremitage geht zurück auf Katharina II., die Große Kaiserin. Als Witwe Peters III. verliebte sie sich in den Fürsten Grigori Potjomkin. Simon Sebag Montefiori beschreibt in seiner Geschichte der Romanows die Beziehung der beiden als „überragende politische Partnerschaft“. Zugleich frönten sie „einer urwüchsigen Sexualität und waren durch nichts zu erschüttern. Sie liebten Literatur, neoklassizistische Baukunst und englische Gärten… Beide sammelten mit Begeisterung Kunst und Schmuck und waren prachtverliebt.“

Der Pianist und Komponist Katsuro Ogiha

Der Pianist und Komponist Katsuhiro Oguri 

Von der Freude, die Katharina „an der Jagd nach Kunstwerken sowie deren Erwerb und Besitz hatte“, zeugen ihre Briefe. „Sie begann sofort mit dem Aufbau ihrer Sammlung für die Eremitage, später kaufte sie die große Sammlung des kurfürstlich-sächsischen und königlich-polnischen Ministerpräsidenten Graf von Brühl und des britischen Premierministers Robert Walpole.“

Das Eremitage-Theater

Balletteinlage im Eremitage-Theater

Balletteinlage im Eremitage-Theater (Filmausschnitt)

Im Eremitage-Theater, das normalerweise nicht für Museumsbesucher zugänglich ist, gibt es eine Balletteinlage.

Die Raffael-Loggien in der Eremitage

Nachgebaut in der Eremitage: Raffaels Loggien für den Vatikan (Filmausschnitt)

Lange verweilt Gog in den Raffael-Loggien, einer Nachbildung des Vatikanpalastes in Rom.

Caravaggios Meisterwerk aus der Jugendzeit

"Der Lautenspieler" von Caravaggio

Lange im Bild: der „Lautenspieler“ von Caravaggio (Filmausschnitt)

Ausgiebig lässt Gog die Kamera über den „Lautenspieler“, Caravaggios Meisterwerk aus der Jugendzeit, gleiten. Es gibt von dem Werk, das als Sinnbild der Harmonie verstanden wurde, noch eine weitere Fassung mit einem Spinett statt der Früchte auf dem Tisch. Und im selben Jahr kehrte das Motiv in einem weiteren Gemälde „Musizierender Knaben“ wieder, das als Beleg für Caravaggios Homosexualität gilt.

Kirill Richter am Flügel

Zum Ausklang spielt Kirill Richter am Flügel. (Filmausschnitt)

Die Website der Eremitage in Sankt Petersburg: www.hermitagemuseum.org
Es befinden sich weitere Aufnahmen aus den Sammlungen in Vorbereitung.

Zum Film: www.youtube.com

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Ruth Renée Reif
Das „flüchtige Ereignis“ in crescendo anzukündigen, ist die Aufgabe von Ruth Renée Reif: Als Erleben-Redakteurin spürt sie mit detektivischem Eifer packende, hören- und sehenswerte Veranstaltungen für uns auf. Ruth Renée Reif studierte in Wien Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte und ist seit ihrer Promotion 1987 in München als freie Journalistin und Publizistin tätig. Zu ihren Veröffentlichungen zählen eine Biografie über die Sängerin Karan Armstrong, ein historisches Porträt der Stuttgarter Philharmoniker sowie zahlreiche Gespräche mit Musikern, Schriftstellern und Philosophen.

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